Sandmücken

 
 Übersicht 
Klassifikation
Allgemeines
Jahreszeitliche Aktivität
Flugverhalten, Attraktion durch Licht, Stechverhalten
Brutverhalten, Brutbereiche

 

Klassifikation: 
Species (Art)23 Sandmückenarten in Europa
Classis (Klasse) Insecta
Ordo (Ordnung) Diptera
Subordo (Unterordnung) Nematocera
Familia (Familie) Psychodidae
Subfamilia (Unterfamilie) Phlebotominae
Genus (Gattung) Phlebotomus, Sergentomyia

 

Der Überträger, die Sandmücke
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Ph mascittii Hand sm

 

Allgemeines:
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Sandmücken oder Phlebotomen sind etwa zwei Millimeter kleine sandfarbene Stechmücken. Auf der Haut fast unsichtbar, fallen sie dem 'Opfer' durch ihre großen schwarzen Augen auf. Nur die weiblichen Mücken saugen Blut, ohne den Saugakt ist ein Heranreifen der Eier bei den meisten Arten nicht möglich.

Mittelmeerreisenden fallen diese Mücken allenfalls durch ihre großen schwarzen Augen auf. Für den europäischen Mittelmeerraum sind insgesamt 23 verschiedene Sandmückenarten nachgewiesen, von denen jede einzelne Art ein unterschiedliches Verhalten zeigt. Vier mediterrane Sandmückenarten saugen ausschließlich an Reptilien und Vögeln Blut, andere an Kleinnagern oder auch Fledermäusen.
Die erwachsenen Sandmücken ernähren sich von Pflanzensäften und / oder Blattlausexkrementen. Daher sind besonders weibliche, aber auch männliche Sandmücken während der Dämmerung häufig in Obstbäumen zu finden, welche Blattläuse als Parasiten beherbergen.

Das Sandmückenweibchen saugt im Laufe seines Lebens mehrfach Blut und kann dann jeweils ein neues Gelege produzieren. Die Lebenserwartung einer Sandmücke beträgt etwa 40 Tage.

Etwa fünf Tage nach einem 'Blutmahl' legt das Sandmückenweibchen bis zu 100 Eier auf dem Erdboden ab. Die Larven ernähren sich im Boden oder in der Detritusschicht von organisch zersetzendem Material. In ihrer Entwicklung durchlaufen Sandmücken 4 Larvenstadien. Die Überwinterung erfolgt in Europa im vierten Larvenstadium, dann folgt die Verpuppung und wenige Tage später das Schlüpfen des adulten Insekts.

Die mittleren Entwicklungszeiten für die verschiedenen Sandmückenarten betragen unter Laborbedingungen bei 26-28 Grad Celsius vom Blutmahl bis zum Adult-(Erwachsenen-) Stadium der nächsten Generation zwischen 40 und 57 Tagen. Diese kurzen Entwicklungszeiten treffen auch für die Tropen zu. Im mediterranen Raum dauert die Entwicklung der "Wintergeneration" zwangsläufig, weil temperaturgebunden, länger. Meist erscheinen nur 2 Generationen pro Jahr, die erste im Juni (Wintergeneration), die zweite im September (Sommergeneration).

Die Sandmückenart Phlebotomus mascittii entwickelt in Deutschland nur eine Generation pro Jahr.

 

Jahreszeitliche Aktivität:
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Mit dem ersten Auftreten von Sandmücken ist dann zu rechnen, wenn die niedrigste Nachttemperatur drei Nächte in Folge 20° C erreicht. Diese klimatischen Bedingungen werden etwa Mitte Mai in Süd-Frankreich, Nord-Italien, Nord-Spanien, Portugal, gesamt Ex-Jugoslawien und Nord-Griechenland erreicht. In diesen Regionen verschwinden Sandmücken wieder gegen Ende Oktober, wenn die Nachttemperatur unter 15° C sinkt. In Süd-Griechenland (incl. der großen Inseln), Süd-Italien, an der Mittelmeerküste Spaniens (Provinzen Valencia und Alicante) sind Sandmücken etwa von April bis November aktiv, auf Sizilien bereits ab März. In Süd-Spanien, in der Provinz Alicante ist eine ganzjährige, aber sehr geringe Aktivität der Sandmückenart Phlebotomus ariasi dokumentiert.

 

Flugverhalten, Attraktion durch Licht, Stechverhalten:
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Die weiblichen Sandmücken fliegen auf ihrer Suche nach Blut relativ genau von einer Stunde nach Sonnenuntergang bis eine Stunde vor Sonnenaufgang, sie sind also streng nachtaktiv. Eine Ausnahme stellen lediglich Höhlen dar. Sandmücken sind aufgrund ihrer kleinen Größe sehr windempfindlich, fliegen daher bei Wind nicht, und fehlen in direkter Küstenregion (also am Strand !).
Ab der zweiten oder dritten Häuserzeile vom Strand entfernt sind Sandmücken aber zu finden. Bei absoluter Windstille stellen Sandmücken ihre Flugkünste unter Beweis, und erreichen dann Fluggeschwindigkeiten von 70 bis 80 cm pro Sekunde. Pro Nacht können besonders die Weibchen Strecken von ein bis zwei Kilometer Flugstrecke zurücklegen. Die Flughöhe beträgt selten mehr als zwei Meter, weshalb Sandmücken in (Ferien-) Wohnungen ab dem zweiten Stockwerk nicht mehr zu erwarten sind. Sandmücken orientieren sich nachts optisch. Nochmals erwähnt - haben Sandmücken gemessen an ihrer Gesamtgröße, sehr große Augen. Sandmücken reagieren auf Licht im Wellenbereich gelb-orange. Diese Wellenlängen werden von herkömmlichen Glühbirnen erzeugt.
Sandmücken lassen in Glühbirnen-beleuchtete Schlafzimmer bis in acht Meter Höhe anlocken. Dieses künstliche Anlocken lässt sich einfach vermeiden, indem herkömmliche Glühbirnen durch Energiesparlampen, Neonlampen oder Quarzlampen ausgetauscht werden.
Im Gegensatz zu anderen Stechmücken fliegen Sandmücken ihr Opfer nur dann an, wenn dieses schläft. Der Grund hierfür ist, dass Sandmücken zwei bis fünf Minuten zum Blutsaugen benötigen, darüber hinaus ist der Stich schmerzhaft. Fliegen Sandmücken einen schlafenden (erwachsenen) Hund an, so landen diese meist auf dem Hunderücken, und laufen dann gegen den Haarstrich Richtung Kopf, dann die Stirn und Schnauze herunter und stechen in den unbehaarten Nasenansatz, gelegentlich stechen die Mücken auch in die Augenlider. Bei Welpen und Junghunden erreichen diese Mücken auch die Bauchseite oder Genitalien - dieses Stechverhalten ist bei prophylaktischen Schutzmaßnahmen zu beachten.

 

Brutverhalten, Brutbereiche:
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Sandmücken brüten im Boden, die Larven ernähren sich dort von organisch- zersetzendem Material, und grenzen sich so von (süß-) wasserbrütenden Stechmücken völlig ab. Der Bodenbereich darf über die lange Larvenentwicklung nie austrocknen.SandmückenlarvenDie Larven tolerieren eine Temperatur über 30 Grad Celsius nicht, weil die Larven sonst sterben. Die Brutmöglichkeiten sind daher streng limitiert, aber dennoch ist über die Brutplätze von Sandmücken im mediterranen Raum oder gar in Mitteleuropa (Deutschland, Belgien, der Schweiz) sehr wenig bekannt. Sandmücken bilden meist nur zwei Generationen pro Jahr, d.h. die Sandmückenlarven entwickeln sich über ca. 200 Tage im Winter und über ca. 100 Tage im Sommer bis zu deren Verpuppung im Boden.In direktem Küsten- bzw. Strandbereich sind solche Bedingungen nicht zu finden. SandmückenpuppeIn tief- liegenden nicht bewirtschafteten Bereichen ist auch mitten in der heißen Saison satter 'Grünbewuchs' auffällig. Der Bodengrund solcher Grünbereiche ist das Bruthabitat von Sandmücken. Neben diesem natürlichen Brutbereich sind zahlreiche von Menschenhand geschaffene Sandmückenbrutplätze bekannt: im Bodenbereich undichter Wasserpumpstationen, oberhalb der Wasserlinie zwischen den Steinen von Brunnen, im Boden von Kellern, Tierställen oder Komposthaufen.
Nachgewiesen wurden Sandmücken-Brutplätze bisher:
  • im Keller eines Hauses in Rom (1907, GRASSI)
  • in Erdproben aus Mauerritzen zerbombter Häuser in Madrid (1943-1944, NAJERA)
  • einem Keller in den Cevennen / Südfrankreich (1987, KILLICK-KENDRICK)
  • in zwei benachbarten Kellerräumen in Sessa / Südschweiz (1993, GRIMM et. al)

Bekannte Brutplätze in Europa

Brutplatz PlagiariIn der Ortschaft Plagiari (5 km von Thessaloniki entfernt) Chalkidiki Nordostgriechenland gibt es die Beschreibung eines Grabens, einer Wasserpumpstation und eines Brunnens als nachgewiesene Brutstätten.
Dieser Graben fällt - wie auch weitere Gräben der Region - durch grüne Vegetation während der heißesten Jahreszeit auf. Dieser Graben ist derzeit der einzige bekannte natürliche Sandmückenbrutplatz in Europa.

SM Brutplatz GR PolichronoHier brüten die Sandmückenarten P. perfiliewi und P. tobbi in der Detritusschicht.

Alle weiteren bekannten Brutplätze von Sandmücken im mediterranen Raum sind von Menschenhand geschaffen, so diese Wasserpumpstation in einem Olivenhain auf Kassandra. Hier brütet P. perfiliewi im ständig feuchten Bodenbereich.

Brutplatz Kriopigi Ebenfalls auf Kassandra konnten Sandmückenlarven in einem Brunnen gefunden werden.

Hier brüten die Reptilienblut-saugenden Sandmückenarten Sergentomya dentata und S. minuta, sowie auch P. tobbi zwischen den Steinen des Brunnens, weit entfernt von der Wasserlinie.

Brutplatz Ofen In Spanien (Provinz Malaga, Andalusien) wurde im Jahr 2000 ein Brutplatz der Sandmückenarten P. ariasi und P. perniciosus entdeckt. Zahlreiche Larven dieser Sandmückenarten wurden in dem Ziegelofen eines verfallenen Gebäudes (ehemalige Raststätte für Fernreisende) gefunden.Brutplatz HausDieser Fund gelang nur unter Kenntnis der Arbeit von NAJERA (1946), welcher Sandmückenlarven aus Mauerritzen zerbombter Häuser in Madrid sammelte. Dieser Fundort ist somit, gut 50 Jahre später, der zweite nachgewiesene Sandmückenbrutplatz für Spanien.

Brutplatz Neuenburg In 2001 / 2002 konnte auch in Deutschland der erste Sandmückenbrutplatz nachgewiesen werden. Die Abbildung zeigt eine 200 Jahre alte Scheune in Neuenburg / Baden-Württemberg.In dieser Scheune brütet die Sandmückenart P. mascittii.

Für den europäischen Mittelmeerraum sind insgesamt 23 verschiedene Sandmückenarten nachgewiesen, von denen jede einzelne Art ein unterschiedliches Verhalten zeigt.
Se minuta Gecko sm Vier mediterrane Sandmückenarten saugen ausschließlich an Reptilien und Vögeln Blut, andere an Kleinnagern oder auch Fledermäusen. Als Wirt der beiden in Griechenland vorkommenden Sandmückenarten Sergentomyia dentata und S. minuta sind sowohl tagaktive als auch nachtaktive Geckos bekannt.