Befall mit Acanthocheilonema dracunculoides: Falsch positiver Antigentest auf Dirofilaria immitis nach Wärmebehandlung der Blutprobe

Acanthocheilonema dracunculoides (syn. Dipetalonema dracunculoides) ist ein in Spanien weit verbreiteter Fadenwurm, der vermutlich keine klinische Bedeutung bei Hunden hat. Die erwachsenen Nematoden dieser Art leben in Bauch- und Brusthöhle des Wirtes und verursachen im Allgemeinen keine klinischen Symptome. Demgegenüber handelt es sich bei Dirofilaria immitis um einen klinisch relevanten Parasiten, der bei verschiedenen Haustieren auf der ganzen Welt die sogenannte Herzwurmerkrankung auslöst. Zum Nachweis adulter Herzwürmer beim Hund wird in der Regel ein Antigentest durchgeführt, der zirkulierende Antigene nachweist, die von den erwachsenen weiblichen Herzwürmern freigesetzt werden. Wenn erwachsene männliche und weibliche Herzwürmer im selben Wirt vorhanden sind, werden Mikrofilarien produziert, die durch mikroskopische Untersuchung eines nativen Blutausstrichs oder durch den sogenannten Knott-Test nachgewiesen werden können. Mikrofilarien sind nicht spezifisch für Herzwurminfektionen, da eine Infektion mit anderen Nematoden ebenfalls zur Mikrofilarämie führen kann.
Kürzlich durchgeführte Studien an Herzwurm-positiven Hunden kamen zu dem Ergebnis, dass die Wärmebehandlung von zunächst negativ getesteten Serumproben die Empfindlichkeit des Antigentests zum Nachweis adulter Herzwürmer erhöhen und die Anzahl falsch-negativer Testergebnisse verringern kann. Falsch-negative Resultate ergeben sich demnach aus dem Vorhandensein blockierender Immunkomplexe, die durch die Wärmebehandlung aufgelöst werden können. Die Empfehlungen für die Durchführung des Antigentests wurden daraufhin entsprechend überarbeitet und es wurde das Erhitzen des Serums empfohlen, um die Sensitivität des Antigentests zu erhöhen.
In einem nun vorliegenden Fallbericht aus den Niederlanden wurde ein 5 Jahre alter, asymptomatischer Mastiff, welcher 4 Wochen vorher aus Spanien importiert worden war, einer kardiologischen Einrichtung zur Herzwurmtherapie vorgestellt. Bei dem Hund waren zunächst Mikrofilarien im Blutausstrich gefunden worden. Zum Nachweis adulter Herzwürmer erfolgte der Antigentest mit Testkits von 3 verschiedenen Herstellern (FASTest® HW-Antigen-Testkit von MEGACOR, IDEXX SNAP HTWM-Testkit, WITNESS® Heartworm Antigen-Testkit von Zoetis), die alle ein negatives Resultat ergaben. Daraufhin wurden die Tests wiederholt und es wurde bei den beiden erstgenannten Testkits die empfohlene Wärmebehandlung durchgeführt, indem das Serum vor dem eigentlichen Test 10 Minuten lang in einem Wasserbad mit 100° C Wassertemperatur erwärmt wurde. Bei dem Testkit der Firma Zoetis wurde aus nicht genannten Gründen keine Wärmebehandlung durchgeführt. Bei beiden erstgenannten Testsystemen führte die Wärmebehandlung zu einem positiven Testergebnis, der dritte Test ohne Wärmebehandlung blieb negativ. Aufgrund dieser Ergebnisse wurde eine Infektion mit Herzwürmern angenommen und die Therapie nach dem Behandlungsprotokoll der American Heartworm Society gestartet. Parallel zum Therapiebeginn wurde die Untersuchung einer Blutprobe des Tieres mittels realtime-PCR initiiert, welche die Diagnose durch die Differenzierung der zirkulierenden Mikrofilarien bestätigen sollte.
Nach 7 Tagen zweimal täglicher oraler Verabreichung von Doxycyclin musste die Therapie abgebrochen werden, da diese bei dem Hund zu Anorexie, Erbrechen und Lethargie führte. Nach Absetzen der oralen Doxycyclin-Therapie verschwanden die gastrointestinalen Symptome innerhalb weniger Tage spontan. Die realtime-PCR zeigte überraschenderweise ein positives Ergebnis für einen Befall mit Acanthocheilonema dracunculoides, während die Arten Dirofilaria repens, Dirofilaria immitis und Acanthocheilonema reconditum nicht nachgewiesen wurden. Basierend auf dieser Erkenntnis wurde mit der Therapie zur Bekämpfung des Erregers Acanthocheilonema dracunculoides begonnen. Einen Monat nach der letzten therapeutischen Gabe war die Blutuntersuchung auf zirkulierende Mikrofilarien in Blutausstrich und Knott-Test negativ. Auch der Antigentest war nun trotz durchgeführter Wärmebehandlung negativ. Die Autoren schließen daraus, dass die Wärmebehandlung einer Blutprobe mit einem anfänglich negativen Antigentest auf Dirofilaria immitis zu einem falsch positiven Ergebnis führen kann, wenn der Hund mit Acanthocheilonema dracunculoides infiziert ist.

Dieser Fallbericht zeigt einmal mehr sehr deutlich, wie bedeutend die korrekte Identifizierung eines Erregers ist, da eine Infektion mit Dirofilaria immitis eine antiparasitäre Therapie erfordert, während eine Infektion mit Acanthocheilonema dracunculoides häufig als klinisch irrelevanter Zufallsbefund angesehen wird. Die Adultizidtherapie bei Hunden mit Herzwurminfektionen unter Verwendung des Protokolls der American Heartworm Society ist zudem nicht nur teuer, sondern die Verabreichung von Melarsomin bedeutet mehrere schmerzhafte intramuskuläre Injektionen gefolgt von zwei Monaten Käfigruhe, was gravierende negative Auswirkungen auf die Lebensqualität des Patienten bedeutet. Die Autoren empfehlen daher dringend, bei Hunden mit Mikrofilarämie zusätzlich eine realtime-PCR zur Nematodendifferenzierung durchzuführen. Die Wärmebehandlung sollte zudem nicht routinemäßig bei der Analyse des Blutes von Hunden angewendet werden, die aus Regionen stammen, in denen neben Dirofilaria immitis weitere Mikrofilarien-produzierende Nematoden endemisch sind.

Quelle:Parasites Vectors. 2020 Oct 01;13:501-506.