Informationen zur Brucellose

Aufgrund einiger Nachfragen möchten wir an dieser Stelle Informationen zur Erkrankung Brucellose zur Verfügung stellen.

Brucellen: Bei Brucellen handelt es sich um gramnegative Stäbchenbakterien der Gattung Brucella. Brucellen sind obligat intrazellulär, können bei Umgebungstemperaturen aber in Urin, Staub, Wasser oder Erde und insbesondere auch in Milch und Milchprodukten mehrere Tage bis einige Wochen überleben. Beim Hund spielt der Erreger Brucella canis die Hauptrolle. In Europa extrem selten (Einzelfälle) sind aber auch Infektionen mit Brucella suis, Brucella abortus und Brucella melitensis möglich. Im Jahr 2018 wurde ein Fall von Brucella suis bei einem Hund in Holland beschrieben, die Ansteckung erfolgte vermutlich über Rohfleischfütterung (BARF), wobei das Fleisch in dem Fall aus Argentinien bezogen wurde. Im Jahr 2017 wurde ein Fall von Brucella abortus  bei einer Hündin in Jena beschrieben, welche unter Pyometra litt. Der Erreger Brucella melitensis spielt mittlerweile bei Hütehunden im Iran eine größere Rolle, in Europa scheinen noch keine Fälle bekannt zu sein.

Brucella canis:

Vorkommen: Weltweit, in Europa vor allem Rumänien, Ungarn, England, Südfrankreich, Spanien und Polen. Es wird allgemein angenommen, dass Länder mit einer großen Population streunender Hunde eine höhere Infektionsprävalenz aufweisen.

Infektionsverlauf: Der Erreger gelangt über die Schleimhaut und kleinere Hautverletzungen in den Organismus, wo er von phagozytierenden Makrophagen aufgenommen und zu den Geschlechtsorganen und den Organen des Lymphsystems transportiert wird. Der Erreger wird über Kot, Urin, Milch, Sperma, Vaginalausfluss und Fruchtwasser infizierter Tiere ausgeschieden. Die Übertragung erfolgt aber in der Regel über den Deckakt, manchmal auch oral durch Aufnahme infizierter Plazenten, abortierte Feten oder über kontaminierten Vaginalausfluss, Fruchtwasser oder Urin. Rüden übertragen den Erreger mit dem Sperma vor allem 6-8 Wochen nach der Infektion. Mit steigendem Abstand zum Infektionszeitpunkt verringert sich zwar die Keimzahl, jedoch kann eine persistierende Ausscheidung noch mindestens 2-3 Jahre (teilweise sogar bis zu 5,5 Jahre) nach der Infektion beobachtet werden. Bei der Hündin erfolgt die Ausscheidung von Brucella canis über den Urin für mindestens drei Monate nach Infektion. Eine Übertragung des Erregers zwischen Hunden ist auch durch eine Bluttransfusion denkbar.

Symptome: Nach ein bis vier Wochen kommt es bei den betroffenen Hunden zu Bakteriämie und Lymphangitis, teilweise auch mit Fieber. Antikörper werden jedoch erst vier bis zwölf Wochen nach der Infektion gefunden. Die Bakteriämie kann mehrere Monate bestehen und so lange sind auch hohe Antikörpertiter nachweisbar. Wenn der Erreger sich ins Gewebe zurückzieht und keine Bakteriämie mehr vorherrscht, sinken die Antikörpertiter wieder ab. Die Erkrankung persistiert im Tier zwischen sechs Monaten und 5,5 Jahren.

Symptome Rüden (oft schubweise): Hoden- und Nebenhodenentzündung, Skrotaldermatitis, Hodenabszesse, Sterilität, steifes Laufen auf den Hintergliedmaßen (Schmerzen).

Symptome Hündin: Aborte zwischen dem 45. und 50. Trächtigkeitstag, anschließend oft Metritis und Sterilität der Hündin. Welpen sterben häufig in den ersten Tagen nach der Geburt.

Weitere Symptome (beide Geschlechter): Spondylitis, Spondylosen, Osteomyelitis, Dermatitis, Uveitis, Meningoencephalitis.

Diagnostik: Der Nachweis der Brucellen gestaltet sich nicht ganz einfach, Antikörper im Serum sind frühestens drei bis acht Wochen nach Infektion mittels Objektträgeragglutinationstest oder ELISA möglich. Bei positiver Serumagglutination sollte das Ergebnis unbedingt mittels Blutkultur überprüft werden, da die routinemäßig verfügbaren Serumagglutinationstests oft falsch positive Ergebnisse ergeben. Eine Vorbehandlung der Serumprobe mit 2-Mercaptoethanol reduziert die Anzahl falsch positiver Proben. Erreger können meist in Proben aus Sperma, Urin oder Abortmaterial nachgewiesen werden, der Nachweis über die Blutkultur ist der Goldstandard. Brucellen können bei infizierten Tieren in der Blutkultur ein bis fünf Monate nach der Infektion relativ sicher nachgewiesen werden. Sechs bis zwölf Monate nach Infektion sind noch über 80 Prozent der Proben positiv, ab dem zwölften Monat gelingt der Nachweis nur noch bei etwa 50 bis 80 Prozent der infizierten Tiere. In Urinproben lassen sich Brucellen meist innerhalb von zwei bis fünf Monaten und in Spermaproben innerhalb von 12 Monaten nach der Infektion nachweisen. Der Labordienstleister IDEXX hat für den Hund 2019 eine Publikation mit PCR-Test auf Brucella spp. veröffentlicht.

Therapie: Mögliche Therapieversuche beinhalten eine antibiotische Behandlung mit Tetracyclin, Dihydrostreptomycin, Gentamycin, Minocyclin, Doxycyclin oder der Wirkstoffgruppe der Fluorochinolone, wobei in der Regel mit einer Kombination verschiedener Antibiotika behandelt wird. Die Therapie führt allerdings selten zu einer Erregerelimination, da sich die Brucellen eher intrazellulär aufhalten. Als wenig erfolgversprechend gelten Monotherapien. Häufig treten schubweise Bakteriämien auf, die immer wieder therapiert werden müssen. Es ist zudem nachgewiesen, dass sich der Erreger aus der Prostata nicht eliminieren lässt, da die Antibiotika das Gewebe hier kaum erreichen. Betroffene Rüden sollten zur Verringerung der Erregerausscheidung unbedingt kastriert werden, ein gewisses Infektionsrisiko für andere Hunde und Menschen bleibt jedoch weiter bestehen.

Mensch: Eine Infektion des Menschen mit dem Erreger Brucella canis erfolgt nur in seltenen Fällen, viel stärker humanpathogen sind Brucella melitensis (Maltafieber), Brucella suis und Brucella abortus (Morbus Bang). Eine Übertragung von Brucella canis auf den Menschen geschieht meist über Blut, 90 % der Infektionen verlaufen subklinisch oder mit milden und unspezifischen Symptomen (Fieberphasen mit Lymphknotenschwellung). Die antibiotische Therapie zeigt beim Menschen deutlich bessere Erfolge als beim Hund, hier wird in der Regel mit Tetracyclinen (ggf. zusätzlich Streptomycin) therapiert. Insgesamt scheinen für eine Infektion mit Brucella canis eher Hundezüchter und Veterinärmediziner (Blutentnahme) gefährdet zu sein, Hundebesitzer haben nur ein geringes Risiko. Laut dem infektionsepidemiologischen Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten des Robert-Koch-Instituts wurden dem RKI im Jahr 2019 37 Brucellose-Erkrankungen übermittelt (17 Männer und 20 Frauen). Für 30 Erkrankungen wurde mindestens ein wahrscheinliches Infektionsland genannt (31 Nennungen), für 25 Erkrankungen (83%) lag dieses im Ausland (25 Nennungen). Am häufigsten wurden hier die Türkei (6 Nennungen), der Irak (5) und Spanien (3) genannt. Bei 18 von 18 Erkrankungen mit Angaben zur Erregerdifferenzierung wurde Brucella melitensis als Erreger angegeben. Es wurden keine Todesfälle aufgrund von Brucellose übermittelt. In Deutschland wird allerdings nicht speziell auf Brucella canis getestet, der Erreger fällt unter Brucella spp.

Achtung: Die Brucellose beim Menschen ist gemäß Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Dem Gesundheitsamt muss gemäß § 7 Abs. 1 IfSG der direkte oder indirekte Nachweis von Brucella spp., soweit er auf eine akute Infektion hinweist, namentlich gemeldet werden.

Empfehlungen für die Praxis: Der Erreger ist wenig widerstandsfähig in der Umwelt und wird durch alle gängigen Desinfektionsmittel abgetötet. Brucellen werden auch in wässriger Suspension durch Temperaturen von mehr als 60 °C innerhalb von 10 Minuten abgetötet. Infizierte Tiere sollten unbedingt kastriert werden, um die Erregerausscheidung zu verringern. Tierärzte sollten Handschuhe bei der Blutentnahme tragen, wenn bei einem Hund der Verdacht auf Brucellose besteht.

Quellen:
Robert-Koch-Institut.
Bundestierärztekammer.
Canine Brucellose - eine unterschätzte Zoonose? Axel Wehrend, Sandra Goericke-Pesch, Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz, Justus-Liebig-Universität Gießen.
Canine Brucellose - Ein Globalisierungsproblem? Mima Hohmann, Deutsches Tierärzteblatt 08/2012.

 

 

Leishmania infantum bei Hunden auf Sardinien - Seroprävalenz und Risikofaktoren

Bei der Leishmaniose handelt es sich um eine Erkrankung, die durch den Vektor Sandmücke übertragen und durch Erreger der Gattung Leishmania hervorgerufen wird. Im südeuropäischen Mittelmeerraum ist die Art Leishmania infantum von großer Bedeutung, hier sind mindestens 2,5 Millionen Hunde mit dem Erreger infiziert. Aufgrund seines zoonotischen Charakters stellt dieser Erreger auch eine potentielle Gefahr für den Menschen dar, wobei in der Regel eher immuninkompetente Personen klinisch erkranken. Innerhalb der Endemiegebiete Europas ist die canine Leishmaniose unregelmäßig verteilt und weist eine starke Variabilität an Infektionsraten bis hin zu hyperendemischen Schwerpunkten auf. Die italienische Insel Sardinien gilt schon lange als Endemiegebiet für das Vorkommen der Erkrankung Leishmaniose, hier wurden neben dem gehäuften Auftreten bei Hunden zwischen 1922 und 2014 auch mehr als 250 Erkrankungen beim Menschen gezählt. Auch erschienen kürzlich 2 Fallberichte, die von Erkrankungen bei Katzen auf der Insel berichteten. Sardinien ist die zweitgrößte Insel im Mittelmeer und das Klima der Insel ist geprägt von heißen und trockenen Sommern mit milden und feuchten Wintern. In städtischen und ländlichen Regionen der Insel konnten bislang Sandmücken der Arten Phlebotomus perfiliewi und Phlebotomus perniciosus als Vektoren des Erregers Leishmania infantum nachgewiesen werden.

Im Rahmen einer im November 2020 veröffentlichten epidemiologischen Studie wurden nun erstmals die Seroprävalenz und die Risikofaktoren des Auftretens einer Leishmaniose-Infektion bei Hunden auf Sardinien untersucht. Hierfür wurden im Studienzeitraum 2012-2018 Blutproben und klinische Daten von Hunden gesammelt, die dauerhaft auf der Insel lebten und älter als 6 Monate waren. Die Gesamtpopulation der Insel wird auf 542224 Hunde geschätzt, von denen 1147 Tiere in die Studie aufgenommen wurden. Jeder Studienteilnehmer wurde einer vollständigen klinischen Untersuchung unterzogen, wobei der Schwerpunkt auf dem Vorhandensein klinischer Zeichen einer Leishmaniose-Erkrankung lag. Zusätzlich wurden Daten zu Geschlecht, Alter, Rasse, Körpergröße und Haarlänge sowie Informationen zu Lebensraum, Haltungsbedingungen (Außenhaltung oder Wohnungshaltung) und nächtlicher Zugang zu Schutzhütten analysiert. Die Tierbesitzer wurden zudem hinsichtlich ihrer Maßnahmen zur Sandmückenprophylaxe befragt. Als Resultat der Befragung wurden die an der Studie teilnehmenden Hunde in 2 Gruppen eingeteilt (Familienhund oder Zwingerhund). Mittels IFAT wurde das Serum der Tiere auf IGG-Antikörper gegen Leishmanien untersucht, ein Titer von ≥ 1:80 wurde als seropositiv festgelegt. Tiere, deren Probe nur eine Fluoreszenz bei einer Verdünnung von 1:40 zeigte, wurden als exponiert, aber nicht infiziert definiert. Alle Daten wurden unter Verwendung eines Chi-Quadrat-Tests statistisch analysiert, die Beziehung zwischen einer Infektion und einer der verfügbaren Variablen wurde mittels bivariater und multivariater Regressionsanalyse ermittelt.

Von den 1147 in die Studie eingeschlossenen Hunden waren 812 Tiere in Zwingerhaltung untergebracht, 335 Tiere wurden von ihren Besitzern als Familienhunde gehalten. Die Stichprobe war vom Geschlecht her ausgewogen, 51,3% der Hunde waren weiblichen und 48,7% waren männlichen Geschlechts. 15,4% der untersuchten Hunde waren mit einem IFAT-Titer von ≥ 1:80 seropositiv, während 7,4% der Tiere als exponiert, aber nicht infiziert eingestuft wurden. Die spezifischen Antikörpertiter gegen Leishmania infantum lagen in der Studie im Bereich von 1:40 bis 1: 10240, 11,4% der Tiere hatten einen IFAT-Titer ≥ 1: 160 und 8,6% hatten einen IFAT-Titer ≥ 1: 320. Basierend auf der körperlichen Untersuchung wurden bei 44,1% der seropositiven Tiere mit einem Titer von ≥ 1:80 klinische Anzeichen einer Leishmaniose-Erkrankung gefunden. Allgemeine klinische Symptome wie ein schlechtes Allgemeinbefinden oder eine generalisierte Lymphadenomegalie wurden bei 29,4% der seropositiven Hunde beschrieben. Die in der Studie am häufigsten gefundenen klinischen Symptome waren kutane und mukokutane Läsionen (37,9%), exfoliative Dermatitis (24,3%), ulzerative Dermatitis (13,6%), Krallenveränderungen (18,1%), Hyperkeratose (5,1%) und Augenschäden (5,1%). Bei der Detektion von Leishmanien-Antikörpern wurden wie auch in Studien zuvor Unterschiede zwischen den Geschlechtern festgestellt. Antikörper wurden bei männlichen Tieren mit 18,1% signifikant häufiger gefunden als bei weiblichen Tieren (12,9%). Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Immunantwort könnten hier eine Rolle spielen. Als weiteres Ergebnis nahm die Anzahl seropositiver Hunde mit dem Lebensalter zu, was sicherlich mit einem erhöhten Risiko einer Exposition gegenüber dem Vektor Sandmücke zu erklären ist. Auch war die Prävalenz in der Gruppe der reinrassigen Hunde mit 29,6% deutlich höher als in der Gruppe der Mischlinge (12,9%), was mit den Angaben in der Literatur übereinstimmt. So ist bekannt, dass einige Hunderassen wie Boxer, Cocker Spaniel, Rottweiler und Deutscher Schäferhund anfälliger für die Entwicklung einer klinischen Erkrankung sind. Entgegen der Vermutung waren mit 27,2% signifikant mehr Familienhunde Titer-positiv als Zwingerhunde (10,6%). Ein ähnliches Verteilungsmuster wurde bereits in einer Studie aus Bosnien und Herzegowina gefunden, wo Hunde, die einen Besitzer hatten, mit 31,6% häufiger mit Leishmaniose infiziert waren als Straßenhunde (15,3%). Erklärbar scheint dies mit der Tatsache, dass ohne Ausnahme alle Zwingerhunde in der Studie Maßnahmen der Sandmückenprophylaxe durch ihren Halter erfahren hatten, während in der Gruppe der Familienhunde 15,2% der Tiere keinerlei prophylaktische Maßnahmen erhielten. Möglicherweise könnten Familienhunde mit ihrer eher bewegungsarmen Lebensweise auch anfälliger für Infektionen sein und aufgrund ihres beschränkten Lebensradius` von Sandmücken leichter gefunden und gestochen werden. Darüber hinaus ist aus anderen Studien bereits bekannt, dass der Aufenthalt in der Nähe menschlicher Behausungen mit einem höheren Infektionsrisiko bei Hunden verbunden ist.

Die vorliegende Studie ist die erste groß angelegte epidemiologische Untersuchung zum Vorkommen der Leishmaniose bei Hunden auf Sardinien. Sie bestätigt die lange bestehende Vermutung eines endemischen Auftretens der Leishmaniose bei Hunden auf Sardinien mit einer ähnlichen Seroprävalenz, wie sie auch vom italienischen Festland bekannt ist. Mehr als die Hälfte der seropositiven Hunde in der Studie wurden von ihren Besitzern als gesund beschrieben und zeigten keinerlei klinische Auffälligkeiten. Die Ergebnisse der Untersuchungen bestätigen daher die Hypothese, dass die klinischen Fälle einer Leishmaniose-Erkrankung in den endemischen Gebieten nur einen Bruchteil der Fälle von Leishmaniose-Infektionen ausmachen und dass die Mehrheit der Hundepopulation in solchen Gebieten exponiert und infiziert ist, ohne klinische Anzeichen einer Erkrankung zu zeigen. Die Studie zeigt zudem sehr deutlich, wie wichtig und sinnvoll eine Leishmaniose-Prophylaxe und zusätzlich die Vermeidung einer Exposition gegenüber Sandmücken ist. Neben der Anwendung der gängigen chemoprophylaktischen Maßnahmen sollten Reisen mit Hunden in Risikogebiete zur flugaktiven Zeit der Sandmücken möglichst vermieden werden. Alternativ sollten Hunde in Endemiegebieten nach Eintritt der Dämmerung in Innenräumen untergebracht werden, die im Idealfall noch mit imprägnierten Sandmückennetzen abgedichtet worden sind.

Quelle: Parasitol. Res. 2021;120:289–300.

 

 

Hohe Todesrate durch Babesiose bei Rindern eines norddeutschen Fleischproduktionsbetriebes

Eine Infektion mit Babesia divergens ist die häufigste Ursache für das Auftreten der Babesiose bei Rindern in europäischen Ländern nördlich der Alpen. Babesia divergens wird von Zecken der Art Ixodes ricinus (Holzbock) übertragen, welche in Deutschland die am häufigsten vorkommende Zeckenart ist. Während die Larven dieser Zecke kleine Säugetiere und Vögel bevorzugen, befallen Nymphen und adulte Zecken eher große Säugetiere einschließlich Mensch und Rind. Typische Lebensräume von Ixodes ricinus umfassen Wälder, Büsche und hohes Gras. Während gut gepflegte Weiden eigentlich einen eher minderwertigen Lebensraum darstellen, können Hecken und Baumbestand zwischen den Weiden jedoch die Population der Zecke erhalten und einen möglichen Übertragungsort für Babesia divergens darstellen. Zu den klinischen Symptomen der Rinderbabesiose gehören eine erhöhte Körpertemperatur, Anorexie, Schwäche und hämolytische Anämie, begleitet von Tachykardie und Tachypnoe. Die Schleimhäute können blass oder gelblich sein, auf dem Höhepunkt der hämolytischen Krise kann eine Hämoglobinurie auftreten. Spontanheilungen sind bei dieser Erkrankung selten, die Sterblichkeitsrate ergibt sich hauptsächlich aus der Geschwindigkeit der Diagnosestellung und der Zeit bis zum Einleiten einer adäquaten Behandlung. Bei Rindern existiert eine sogenannte inverse Altersresistenz, welche auf subklinische oder leichte Infektionen mit anschließender Immunitätsbildung bei Tieren unter 9 Monaten zurückzuführen ist. Die Immunität wird dann durch wiederholte Exposition gegenüber dem Krankheitserreger aufrechterhalten. Daher sind klinische Fälle in endemischen Regionen selten und betreffen normalerweise immungeschwächte Tiere oder Rinder, die im ersten Lebensjahr keinen Zugang zur Weide hatten.

In der Vergangenheit haben mehrere Studien den Rückgang der Prävalenz des Erregers Babesia divergens in Europa gezeigt. Im Juni 2018 starben jedoch 21 erwachsene Tiere eines norddeutschen Rinderhalters, welche klassische Symptome einer Babesiose zeigten. Zu diesem Zeitpunkt umfasste der Bestand des Bio-Betriebes 150 Fleckvieh- und Angusrinder in fünf extensiv bewirtschafteten Mutterherden, die auf verschiedenen Weiden standen. Die meisten Tiere waren auf dem Hof geboren und aufgewachsen. Die Weiden des Betriebes grenzen an ein Naturschutzgebiet, das von Mooren, Graslandschaften und einem See geprägt ist. Das Naturschutzgebiet dient auch als beliebtes Erholungsgebiet. Am 3. Juni 2018 wurde erstmals bei einem Rind einer aus 56 Tieren bestehenden Herde eine Hämoglobinurie festgestellt. Die Herde war 10 Tage zuvor auf eine bis dahin nicht genutzte Weide umgestellt worden. Am 5. Juni wurden ein Bulle und fünf Kühe tot auf der Weide gefunden, am Tag darauf starb eine weitere Kuh. Zunächst wurde eine Vergiftung über den auf der Weide vorhandenen See als Todesursache angesehen, so dass die Herde auf eine andere Weide verlegt wurde. Trotz des Umzugs der Herde kam es zu weiteren Todesfällen, darunter acht Kühe aus einer zweiten Herde, die zuvor daneben weideten und die sich der ersten Herde angeschlossen hatten, um die verwaisten Kälber zu pflegen. Am 20. Juni wurden zwei klinisch erkrankte Kühe in die Tierärztliche Hochschule Hannover gebracht. Die beiden Kühe zeigten einen Zeckenbefall, Hämoglobinurie, verringerte Futteraufnahme, Depression und Bewegungsstörungen. Die klinische Untersuchung der Tiere ergab die charakteristischen Symptome einer Babesiose mit Fieber und gelb-blassen Schleimhäuten. In den Blutausstrichen der Tiere wurden die typischen Merozoiten von Babesia divergens auf der Erythrozytenoberfläche nachgewiesen. Die Diagnose wurde per PCR-Test bestätigt. Eines der Tiere erholte sich nach der Behandlung mit Imidocarb-Dipropionat, das andere Tier verstarb. Am 3. Juli 2018 wurde die gesamte Rinderherde prophylaktisch mit Imidocarb-Dipropionat behandelt. Insgesamt starben in diesem Jahr jedoch 21 Rinder des Betriebes an den Folgen einer Babesiose, alle Tiere waren älter als 2 Jahre.
Im darauffolgenden Jahr 2019 wurden alle erwachsenen Tiere des Betriebes prophylaktisch behandelt. Trotzdem wurden auch in diesem Jahr 4 tote Kühe gefunden, mehrere Tiere zeigten zudem klinische Zeichen einer Babesiose. Im März 2020 wurden 95 Rinder auf Antikörper gegen Babesia divergens getestet und bei 36 von ihnen (37,89%) wurden positive Titer ermittelt. Dies ist von praktischer Relevanz, da die meisten klinischen Erkrankungen bei seronegativen Tieren auftreten. Bis Mai 2020 wurden auf dem betroffenen Hof keine weiteren klinischen Fälle von Babesiose festgestellt.
Auf den Weiden des Hofes, auf denen die Babesiose aufgetreten war, wurden im Juni, September und Oktober 2018 sowie im März und Juni 2019 auch Zecken gesammelt und analysiert. Bei den untersuchten1430 Zecken der Art Ixodes ricinus konnte zwar keine DNA von Babesia divergens nachgewiesen werden, trotzdem deuten die epidemiologischen Daten laut der Autoren der Studie auf eine Verbreitung von Zecken hin, die mit dem Erreger befallen waren. Es ist wahrscheinlich, dass der Erreger über infizierte Zecken an Zugvögeln auf die Weiden des Hofes eingeschleppt wurde, da das Gebiet auch als Brut- und Überwinterungsstätte für viele Vogelarten dient.

Die Prävalenz der Rinderbabesiose, welche durch den Erreger Babesia divergens ausgelöst wird, ist in den letzten Jahrzehnten in vielen Teilen Europas zurückgegangen. Dieser Rückgang hat wahrscheinlich zu einem Verlust der Herdenimmunität geführt, was zu einer instabilen epidemiologischen Situation und einem Rückgang des Bewusstseins für die Krankheit bei Tierärzten und Landwirten geführt hat. Die Erkrankung ist jedoch noch immer von veterinärmedizinischer Bedeutung und kann erhebliche wirtschaftliche Verluste verursachen, wenn sie in nicht-endemischen Gebieten auftritt. Eine Therapie oder Prophylaxe mit dem Präparat Imidocarb-Dipropionat gestaltet sich in der Praxis häufig schwierig, da das Präparat in einigen europäischen Ländern nicht zugelassen ist. Zudem ist die laut Verordnung vorgeschriebene Wartezeit von 213 Tagen für viele Landwirte in der Fleischproduktion nicht realisierbar.
Neben einer Erkrankungsgefahr bei Rindern ist Babesia divergens auch von zoonotischer Bedeutung, da der Erreger auch beim Menschen zu potenziell tödlichen Krankheitsverläufen führen kann, dies vor allem bei splenektomierten und immungeschwächten Patienten.

Quelle: Front. Vet. Sci. 2020 Sept 15;7:649-657.

 

 

 

Hohe Dichte an Mikrofilarien bei Hunden mit Dirofilaria repens - ein Fallbericht

Hohe Dichte an Mikrofilarien bei Hunden mit Dirofilaria repens - ein Fallbericht
Beim Erreger Dirofilaria repens handelt es sich um einen Fadenwurm, der über verschiedene Mückenarten, die als Vektor fungieren, auf den Wirt übertragen wird. Die durch den Erreger verursachte kutane Dirofilariose (Hautwurmkrankheit) ist bei Hunden eine unterdiagnostizierte Erkrankung, obwohl diese für ihr zoonotisches Potential und ihre zunehmende Verbreitung auch in Deutschland bekannt ist. Die erwachsenen Würmer dieses Erregers befinden sich im Normalfall in der Haut im subkutanen Gewebe, wo sie Juckreiz, Knoten und Entzündungen verursachen können, während die Mikrofilarien im Blut zirkulieren. Beide Entwicklungsstadien können jedoch auch Organ- oder Augenschäden verursachen oder den Verlauf anderer Erkrankungen erschweren. Eine Infektion beim Menschen ist selten und der Wurm reift hier oft nicht zum adulten Stadium aus. Allerdings gibt es eine wachsende Zunahme an Fallberichten, bei denen der Parasit auch im Menschen das Stadium für die Produktion von Mikrofilarien erreicht hat. So wurde kürzlich in Polen der Fall eines menschlichen Patienten dokumentiert, bei dem 360 Mikrofilarien pro ml Blut gezählt wurden. Die rechtzeitige Diagnostik und Therapie des Hautwurmes bei Hunden wird daher immer wichtiger, da Hunde mit einer Mikrofilarämie ein bedeutendes Erregerreservoir darstellen.

In einem nun veröffentlichten Fallbericht wurde bei 62 mit Hautwürmern infizierten Hunden per Knott-Test die Dichte der Mikrofilarien bestimmt. Als Grenzwert für eine starke Mikrofilarämie wurde ein Ergebnis von 10.000 Mikrofilarien pro ml Blut festgelegt. Zu den hämatologischen und biochemischen Befunden bei den Hunden in der Studie gehörten Anämie, Thrombozytopenie, Leukozytose, Neutrophilie, Eosinophilie, Monozytose, erhöhte Leber- und Nierenwerte sowie Hypoalbuminämie. Die durchschnittliche Zahl an Mikrofilarien betrug 675 pro ml Blut. Es wurden 4 Tiere mit sehr hoher Dichte an Mikrofilarien ermittelt, von denen lediglich 1 Hund klinische Auffälligkeiten zeigte. Bei diesem Hund kam es nach der Therapie zu Komplikationen in Form einer schweren Dermatitis, welche möglicherweise mit dem Absterben einer großen Menge Wolbachien im Zusammenhang stehen könnte. Wolbachien sind Bakterien, die als Endosymbionten in verschiedenen Filarienarten leben, so auch in Dirofilaria repens. Bei den anderen 3 Hunden mit starker Mikrofilarämie, die in diesem Fallbericht beschrieben sind, wurde die Erkrankung zufällig im Rahmen der Diagnostik von Begleiterkrankungen festgestellt. Der in einem Fall ermittelte Wert von 178.000 Mikrofilarien pro ml Blut entspricht dem höchsten jemals bei einer Infektion mit Dirofilaria repens ermittelten Ergebnis. Erstaunlicherweise zeigte dieser Hund klinisch nicht die für eine Infektion mit Hautwürmern zu erwartenden Symptome, sondern der Hund wurde mit Larynxlähmung, Dyspnoe und Zyanose vorgestellt. Die Autoren vermuten hier trotzdem einen kausalen Zusammenhang, da die extrem hohe Dichte an Mikrofilarien bei diesem Hund vermutlich zu einer Immunschwäche geführt hat, welche die Komorbiditäten zur Folge hatte.

Es ist bekannt, dass Helminthen, zu denen auch Dirofilaria repens gehört, die Immunantwort des Wirtes unterdrücken, um die Etablierung einer Infektion zu ermöglichen. Dies wird auch durch die nun vorgestellten Fälle bestätigt, da alle Tiere mit hoher Mikrofilarämie schwere Komorbiditäten aufwiesen, was auf eine Immunschwäche hindeutet. Die derzeitig empfohlenen Therapiestandards unterscheiden nicht zwischen Hunden mit geringer und hoher Dichte an Mikrofilarien. Dieser Fallbericht zeigt, dass es auch bei einer Infektion mit Dirofilaria repens zu einer starken Mikrofilarämie kommen kann. Bei den betroffenen Hunden ist möglicherweise eine Anpassung der Therapieprotokolle notwendig, damit die Filariendichte langsam reduziert wird und Komplikationen der Therapie vermieden werden. Dies erscheint umso wichtiger, da die Mikrofilarien von Dirofilaria repens im Gegensatz zu denen anderer Erreger eine beachtliche Größe besitzen. Regelmäßig durchgeführte Messungen im Labor von Parasitus ex e.V. zeigen, dass die Mikrofilarien von Dirofilaria repens durchaus eine Länge von etwa 370 µm und eine Breite von etwa 8 µm aufweisen.
Infektionen mit dem Hautwurm werden häufig zufällig bei der Diagnostik anderer Erkrankungen detektiert. Vermutlich existiert daher ein größeres Erregerreservoir als vermutet, was höhere Infektionsraten auch beim Menschen bedeuten könnte. Allein dies rechtfertigt eine verstärkte Testung von Hunden, zumal sich die Therapie positiv getesteter Hunde relativ einfach gestaltet. Wir bei Parasitus Ex haben dies bereits vor vielen Jahren erkannt und umgesetzt. So ist in jedem Profil (auch im Deutschlandprofil 3D) ein Knott-Test enthalten, welcher die Diagnostik und Behandlung auch symptomloser Hunde ermöglicht.

Quelle : Front. Vet. Sci. 2020 Sept 22;7:1-6.

 

 

 

Befall mit Acanthocheilonema dracunculoides: Falsch positiver Antigentest auf Dirofilaria immitis nach Wärmebehandlung der Blutprobe

Acanthocheilonema dracunculoides (syn. Dipetalonema dracunculoides) ist ein in Spanien weit verbreiteter Fadenwurm, der vermutlich keine klinische Bedeutung bei Hunden hat. Die erwachsenen Nematoden dieser Art leben in Bauch- und Brusthöhle des Wirtes und verursachen im Allgemeinen keine klinischen Symptome. Demgegenüber handelt es sich bei Dirofilaria immitis um einen klinisch relevanten Parasiten, der bei verschiedenen Haustieren auf der ganzen Welt die sogenannte Herzwurmerkrankung auslöst. Zum Nachweis adulter Herzwürmer beim Hund wird in der Regel ein Antigentest durchgeführt, der zirkulierende Antigene nachweist, die von den erwachsenen weiblichen Herzwürmern freigesetzt werden. Wenn erwachsene männliche und weibliche Herzwürmer im selben Wirt vorhanden sind, werden Mikrofilarien produziert, die durch mikroskopische Untersuchung eines nativen Blutausstrichs oder durch den sogenannten Knott-Test nachgewiesen werden können. Mikrofilarien sind nicht spezifisch für Herzwurminfektionen, da eine Infektion mit anderen Nematoden ebenfalls zur Mikrofilarämie führen kann.
Kürzlich durchgeführte Studien an Herzwurm-positiven Hunden kamen zu dem Ergebnis, dass die Wärmebehandlung von zunächst negativ getesteten Serumproben die Empfindlichkeit des Antigentests zum Nachweis adulter Herzwürmer erhöhen und die Anzahl falsch-negativer Testergebnisse verringern kann. Falsch-negative Resultate ergeben sich demnach aus dem Vorhandensein blockierender Immunkomplexe, die durch die Wärmebehandlung aufgelöst werden können. Die Empfehlungen für die Durchführung des Antigentests wurden daraufhin entsprechend überarbeitet und es wurde das Erhitzen des Serums empfohlen, um die Sensitivität des Antigentests zu erhöhen.
In einem nun vorliegenden Fallbericht aus den Niederlanden wurde ein 5 Jahre alter, asymptomatischer Mastiff, welcher 4 Wochen vorher aus Spanien importiert worden war, einer kardiologischen Einrichtung zur Herzwurmtherapie vorgestellt. Bei dem Hund waren zunächst Mikrofilarien im Blutausstrich gefunden worden. Zum Nachweis adulter Herzwürmer erfolgte der Antigentest mit Testkits von 3 verschiedenen Herstellern (FASTest® HW-Antigen-Testkit von MEGACOR, IDEXX SNAP HTWM-Testkit, WITNESS® Heartworm Antigen-Testkit von Zoetis), die alle ein negatives Resultat ergaben. Daraufhin wurden die Tests wiederholt und es wurde bei den beiden erstgenannten Testkits die empfohlene Wärmebehandlung durchgeführt, indem das Serum vor dem eigentlichen Test 10 Minuten lang in einem Wasserbad mit 100° C Wassertemperatur erwärmt wurde. Bei dem Testkit der Firma Zoetis wurde aus nicht genannten Gründen keine Wärmebehandlung durchgeführt. Bei beiden erstgenannten Testsystemen führte die Wärmebehandlung zu einem positiven Testergebnis, der dritte Test ohne Wärmebehandlung blieb negativ. Aufgrund dieser Ergebnisse wurde eine Infektion mit Herzwürmern angenommen und die Therapie nach dem Behandlungsprotokoll der American Heartworm Society gestartet. Parallel zum Therapiebeginn wurde die Untersuchung einer Blutprobe des Tieres mittels realtime-PCR initiiert, welche die Diagnose durch die Differenzierung der zirkulierenden Mikrofilarien bestätigen sollte.
Nach 7 Tagen zweimal täglicher oraler Verabreichung von Doxycyclin musste die Therapie abgebrochen werden, da diese bei dem Hund zu Anorexie, Erbrechen und Lethargie führte. Nach Absetzen der oralen Doxycyclin-Therapie verschwanden die gastrointestinalen Symptome innerhalb weniger Tage spontan. Die realtime-PCR zeigte überraschenderweise ein positives Ergebnis für einen Befall mit Acanthocheilonema dracunculoides, während die Arten Dirofilaria repens, Dirofilaria immitis und Acanthocheilonema reconditum nicht nachgewiesen wurden. Basierend auf dieser Erkenntnis wurde mit der Therapie zur Bekämpfung des Erregers Acanthocheilonema dracunculoides begonnen. Einen Monat nach der letzten therapeutischen Gabe war die Blutuntersuchung auf zirkulierende Mikrofilarien in Blutausstrich und Knott-Test negativ. Auch der Antigentest war nun trotz durchgeführter Wärmebehandlung negativ. Die Autoren schließen daraus, dass die Wärmebehandlung einer Blutprobe mit einem anfänglich negativen Antigentest auf Dirofilaria immitis zu einem falsch positiven Ergebnis führen kann, wenn der Hund mit Acanthocheilonema dracunculoides infiziert ist.

Dieser Fallbericht zeigt einmal mehr sehr deutlich, wie bedeutend die korrekte Identifizierung eines Erregers ist, da eine Infektion mit Dirofilaria immitis eine antiparasitäre Therapie erfordert, während eine Infektion mit Acanthocheilonema dracunculoides häufig als klinisch irrelevanter Zufallsbefund angesehen wird. Die Adultizidtherapie bei Hunden mit Herzwurminfektionen unter Verwendung des Protokolls der American Heartworm Society ist zudem nicht nur teuer, sondern die Verabreichung von Melarsomin bedeutet mehrere schmerzhafte intramuskuläre Injektionen gefolgt von zwei Monaten Käfigruhe, was gravierende negative Auswirkungen auf die Lebensqualität des Patienten bedeutet. Die Autoren empfehlen daher dringend, bei Hunden mit Mikrofilarämie zusätzlich eine realtime-PCR zur Nematodendifferenzierung durchzuführen. Die Wärmebehandlung sollte zudem nicht routinemäßig bei der Analyse des Blutes von Hunden angewendet werden, die aus Regionen stammen, in denen neben Dirofilaria immitis weitere Mikrofilarien-produzierende Nematoden endemisch sind.

Quelle:Parasites Vectors. 2020 Oct 01;13:501-506.

 

 

Forscher finden Zecken im subkutanen Gewebe von Rotfüchsen in Deutschland

Zecken der Gattungen Ixodes und Dermacentor sind innerhalb von Europa weit verbreitet. Füchse in Deutschland werden besonders häufig von den Arten Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock) und Ixodes hexagonus (Igelzecke) befallen. Zecken sind normalerweise auf der äußeren Oberfläche ihres Wirtes zu finden. Im Rahmen des Saugaktes dringen ihre Stech- und Saugorgane je nach Länge in die verschiedenen Hautschichten des Wirtes ein. Zecken mit kurzen Mundwerkzeugen gelangen hierbei gerade einmal bis in die Epidermis (Oberhaut), während Zecken mit langen Mundwerkzeugen, zu denen auch die Gattung Ixodes gehört, auch in tiefere Schichten der Dermis (Lederhaut) eindringen können. Bei einigen Wirten konnten in der Vergangenheit bereits Zecken in tieferen Hautschichten bis ins subkutane Gewebe nachgewiesen werden, wobei es sich hier aufgrund kleiner Stichprobengrößen eher um gelegentliche Zufallsfunde handelte. Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig hat nun systematisch die Häufigkeit des Auftretens und die Lokalisation subkutaner Zecken bei Rotfüchsen in Deutschland untersucht.
Zwischen November 2018 und Februar 2019 wurden für die Studie Rotfüchse untersucht, die im Rahmen der traditionellen Jagd in ganz Deutschland erlegt wurden. Die viszerale (Richtung Bauchorgane zeigende) Seite der Fuchsfelle wurde hierfür visuell auf subkutane Zecken inspiziert und die Lokalisation der Zecken wurde aufgezeichnet und den verschiedenen Körperteilen zugeordnet. Die morphologische Identifizierung der Zecken erfolgte zunächst gemäß standardisierter taxonomischer Protokolle. Zecken, die auf diesem Wege nicht identifiziert werden konnten, wurden mittels histopathologischer und molekulargenetischer Verfahren analysiert und eingeordnet.
Bei den 126 Rotfüchsen, die im Rahmen der Studie untersucht wurden, handelte es sich um 75 männliche und 51 weibliche Tiere. Bezüglich der Herkunft der Tiere wurden folgende Daten erhoben: Brandenburg (n=1), Hessen (n=2), Nordrhein-Westfalen (n=56), Sachsen (n=3), Thüringen (n=5), Niedersachsen (n=45) und Schleswig-Holstein (n=14). Bei 111 der 126 Tiere wurde mindestens eine Zecke im subkutanen Gewebe gefunden (88,1%). Insgesamt wurden 1203 Zecken aus dem subkutanen Gewebe entfernt, von denen sich die meisten (n=902 bzw. 75%) in einem fortgeschrittenen Zersetzungszustand befanden. Die Häufigkeit des Auftretens subkutaner Zecken unterschied sich zwischen männlichen und weiblichen Füchsen nicht signifikant. Die Anzahl subkutaner Zecken pro Fuchs variierte zwischen 1 bis 79 Zecken, der Mittelwert betrug 10,8 Zecken pro Fuchs. Aufgrund der Zersetzung konnte eine morphologische Identifizierung und Artbestimmung bei einigen Zecken nicht durchgeführt werden, auch molekulargenetische Verfahren waren hier nicht erfolgreich. Bei gut erhaltenen Zecken (n=301 bzw. 25%) gelang eine Artbestimmung anhand morphologischer Kriterien. Somit konnten folgende Arten und Entwicklungsstadien bestimmt werden: Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock; weiblich: n=289, männlich: n=8, Nymphe: n=1), Ixodes hexagonus (Igelzecke; weiblich: n=2), Ixodes canisuga (Fuchszecke; weiblich: n=1). Die Mehrzahl (97%) der gefundenen Zecken war weiblich, diese wurden am häufigsten als Ixodes ricinus identifiziert (99%). Die gefundenen männlichen Zecken gehörten ausnahmslos der Art Ixodes ricinus an, sie waren größtenteils als Paarungspaar mit einer weiblichen Zecke im subkutanen Gewebe anzutreffen. 52,5% der Zecken wurden im Leistenbereich der Füchse gefunden, gefolgt von den Bereichen um Ohren und Achselhöhle. Vermutlich begünstigen die dünne Haut, die Hautfaltung und eine geringe Felldichte einen subkutanen  Befall an diesen Stellen. Die histologische Untersuchung der Zecken in ihrem umgebenden Gewebe bestätigte die subkutane Lokalisation. Es wurde zudem gezeigt, dass die subkutanen Zecken eine zunehmende eosinophile granulomatöse Entzündung der Kategorie 1 bis 3 im Gewebe ihres Wirtes auslösen.
Nach Kenntnis der Autoren handelt es sich hier um die erste systematische Studie zu einem subkutanen Zeckenbefall bei Rotfüchsen in Deutschland. Die Lokalisation von Zecken unter der Haut scheint bei dieser Tierart sehr häufig aufzutreten und eher die Regel als die Ausnahme zu sein. Dass ein langer Saugakt das tiefe Eindringen ins Gewebe des Wirtes zu begünstigen scheint, wird bereits länger vermutet. Die aktuelle Studie bestärkt diese Vermutung, da die subkutan gefundenen Zecken zu 97% weiblich waren. Weitere Studien sind notwendig, um den Mechanismus des tiefen Eindringens ins Gewebe des Wirtes zu klären. Evolutionär scheint dieses Phänomen zumindest nicht vorteilhaft zu sein, da in den subkutanen Arealen keine lebenden Zecken gefunden wurden.
Beim Hund ist ein subkutanes Auftreten von Zecken bislang nur als Einzelfall in Schweden beschrieben. Allerdings wird nur ein äußerst geringer Teil verstorbener Haustiere obduziert, so dass die subkutane Lokalisation von Zecken möglicherweise auch beim Hund häufiger vorkommt. Ein ausreichender Zeckenschutz erscheint daher umso wichtiger, da diese im subkutanen Gewebe ausgedehnte Entzündungen hervorrufen können.

Quelle:Parasites Vectors. 2020 Apr 21;13:189-197.

 

 

Phlebotomen in Südwestdeutschland: Ein Update und neue Fundorte

Sandmücken kommen mit mehr als 1000 Arten nahezu weltweit vor. In Europa sind Sandmücken im Mittelmeerraum mit 25 bekannten Arten verbreitet. Aufgrund des Klimawandels und steigender Temperaturen ist jedoch zu erwarten, dass Arten der Gattung Phlebotomus ihr Verbreitungsgebiet erweitern und dauerhaft neue Lebensräume gewinnen. Innerhalb Deutschlands wurden bislang lediglich 2 Arten von Phlebotomus nachgewiesen: Phlebotomus perniciosus (P. perniciosus) und Phlebotomus mascittii (P. mascittii). Weibliche Sandmücken benötigen für ihre Ernährung verschiedene Wirbeltierwirte, darunter Menschen, Nutztiere, Hunde, Nagetiere, Reptilien, Amphibien und Vögel. Während die Hauptwirte von P. mascittii Hunde und Menschen darstellen, bevorzugt P. perniciosus Hunde, Menschen, Pferde und Nagetiere. Darüber hinaus ist bekannt, dass P. mascittii auch ein autogenes Ernährungsverhalten aufweist und ohne Blutmahlzeit mittels Aufnahme von Pflanzen- und Fruchtsäften zur Eireifung gelangen kann.

Die Art P. perniciosus stellt einen Vektor für Phleboviren und parasitäre Protozoen wie Leishmania infantum dar, allerdings wurde diese Art seit 2001 nicht mehr in Deutschland dokumentiert. Obwohl der Erreger Leishmania infantum bereits in P. mascittii nachgewiesen werden konnte, ist deren Vektorkompetenz bezüglich einer Übertragung auf einen Wirt bislang nicht eindeutig geklärt. Während P. mascittii seit 1999 bereits an 17 Standorten entdeckt wurde, konnte P. perniciosus im Jahr 2001 ledig einmalig mit 4 Exemplaren lokalisiert werden. Eine kürzlich erschienene Studie, an der auch unser Verein Parasitus Ex e.V. beteiligt war, zeigt nun die aktuelle Verbreitung und Häufigkeit dieser beiden Arten im südwestlichen Raum Deutschlands.

Im Zeitraum von 2015-2018 wurde hierfür eine entomologische Feldstudie durchgeführt, im Rahmen derer Sandmücken in den südwestdeutschen Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mittels Miniaturlichtfallen gefangen wurden. Im Jahr 2015 wurden für das Aufstellen der Fallen sechs Sammelstellen mit bereits bekannten und etablierten Sandmückenpopulationen ausgewählt. In den folgenden Jahren wurden zusätzlich auch neue Standorte mit potenziell günstigen Umwelt- und Klimabedingungen (mindestens drei aufeinanderfolgende Nächte mit einer Mindesttemperatur von 15° C) auf Sandmückenpopulationen untersucht. Um neue Standorte zu finden, wurden die Bürger mit einem Informationsblatt über die Studie informiert. Darüber hinaus wurden lokale Gesundheitsbehörden und Kommunen informiert und Anzeigen in lokalen Zeitungen geschaltet. Abhängig von der Größe der Sammelstelle wurden 1 bis 5 Lichtfallen in einem Abstand von etwa 5 m voneinander aufgestellt und zwischen 18:00 Uhr und 8:00 Uhr betrieben. Die Fallen wurden überwiegend in bodennahen oder wandnahen Scheunen mit oder ohne organischem Material in einer Höhe von 1,0-1,5 m aufgestellt. Gefangene Insekten wurden sofort in einer gekühlten Styroporkiste aufbewahrt und manuell auf einem weißen Blatt Papier untersucht, um Beifänge zu vermeiden. Danach wurden die Sandmücken in 100% Alkohol gelegt, um sie anschließend der molekularen Identifizierung und dem Screening auf enthaltene Pathogene zuzuführen.

In den Jahren 2015-2018 wurden insgesamt 149 (92 weibliche und 57 männliche) Sandmücken der Art P. mascittii an 37 (21%) der 176 Sammelstellen gefangen. Phlebotomen der Art P. perniciosus wurden im Rahmen dieser Studie nicht entdeckt. Der früheste Fang während des gesamten Untersuchungszeitraums erfolgte am 3. Juli 2018 und der späteste am 31. August 2017. Sandmücken wurden innerhalb der Untersuchung an allen Lokalisationen gefunden, die bereits aus früheren Studien als positiv bekannt waren. Dies beweist die Stabilität der bereits vorhandenen Sandmückenpopulationen. Phlebotomen wurden zudem an 15 neuen Stellen nachgewiesen, die bisher nicht für das Vorhandensein von Sandmücken bekannt waren. Obwohl sich die Umgebung in 30 Jahren erheblich verändert hat, wurde kein signifikanter Unterschied in der Dynamik und Verteilung der Sandmücken festgestellt. Bei der molekularen Untersuchung der gefangenen Tiere wurden keine Phleboviren oder Flaviviren nachgewiesen, zudem wurden alle Sandmücken negativ auf den Erreger Leishmania infantum getestet.

Zusammenfassend betrachtet zeigt diese Studie, dass Sandmücken in diversen Gebieten Süddeutschlands vorkommen, in denen sie bislang nicht erfasst wurden. Es ist daher davon auszugehen, dass Phlebotomen im südwestdeutschen Raum weiter verbreitet sind als bislang angenommen. Die globale Erwärmung könnte zu einer weiteren Ausbreitung von Sandmücken und den hiermit assoziierten Infektionen beitragen. Innerhalb weiterer Studien sollte daher in erster Linie die Vektorkompetenz von P. mascittii geklärt werden, um das Risisko für derartige Infektionen zukünftig realistischer einschätzen zu können. Als Parameter für eine mögliche Vektorkompetenz gelten das anthropophile (den Menschen bevorzugend aufsuchende) Verhalten der Phlebotomenart und die Nutzung eines Wirtes für die eigene Ernährung. Dagegen spricht jedoch das autogene Fütterungsverhalten von P. mascittii, welches der Mücke ermöglicht, fertile Eier ohne Blutmahlzeit ausschließlich über zuckerhaltige Pflanzensäfte zu erzeugen. Die damit einhergehende potentielle Wirtsunabhängigkeit in der Ernährung macht diese Phlebotomenart vermutlich zu einem eher unattraktiven Überträger für den Erreger der Leishmaniose.

Momentan kann sicherlich die Gefahr einer autochthonen Infektion mit Leishmania infantum innerhalb Deutschlands für Mensch und Tier als extrem niedrig eingestuft werden, auch wenn derzeit mehr als 100.000 Leishmaniose-positive Hunde in Deutschland leben.

Quelle: Parasites Vectors. 2020 Apr 21;13:173-180.

 

 

Nachweis einer transovariellen Übertragung von Borrelien, Rickettsien und Anaplasmen im Holzbock (Ixodes ricinus)

Nachweis einer transovariellen Übertragung von Borrelien, Rickettsien und Anaplasmen im Holzbock (Ixodes ricinus)

Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) stellt in Europa die am weitesten verbreitete Zeckenart dar. Der Holzbock gilt als wichtigster Vektor für eine Reihe bakterieller Krankheitserreger, die für die Gesundheit von Mensch und Tier von großer Relevanz sind. Zu diesen Erregern gehören auch die Gattungen der Borrelien und Rickettsien, deren Vertreter die gefürchtete Erkrankung Lyme-Borreliose und den Erkrankungskomplex der Rickettsiosen hervorrufen können. Ein weiterer durch den Holzbock übertragbarer Erreger ist das Bakterium Anaplasma phagocytophilum, welches bei Mensch und Tier die Granulozyten befällt und die Erkrankung Anaplasmose auslöst.
Die Übertragung dieser Krankheitserreger zwischen den Zecken kann auf verschiedene Art und Weise erfolgen. Bei einer transovariellen Übertragung erfolgt die Weitergabe von Erregern in vertikale Richtung, also über die Eizellen an die Folgegeneration. Diese Form der Übertragung erleichtert es den Krankheitserregern, dauerhaft relativ unabhängig vom Vorhandensein eines Wirtes in einem Ökosystem zu persistieren. Die transovarielle Erregerübertragung konnte für die Gattung Rickettsia unter Laborbedingungen bereits nachgewiesen werden, wobei die Effizienz bis zu 100% betragen kann. Im Gegensatz dazu wurde für Anaplasma phagocytophilum bisher eine niedrige bis ineffiziente transovarielle Übertragung angenommen. Bislang wurde in Prävalenzstudien die Häufigkeit des Vorkommens von Krankheitserregern eher bei erwachsenen Zecken und Nymphen untersucht. Im Rahmen einer kürzlich veröffentlichten Studie wurden nun auch Zeckenlarven auf das Vorhandensein solcher Erreger analysiert, um eine mögliche transovarielle Übertragung unter natürlichen Bedingungen nachzuweisen und das Infektionsrisiko für Mensch und Tier beim Befall mit Larven von Ixodes ricinus besser einschätzen zu können.
Im Zeitraum von 2010-2018 wurden demnach an verschiedenen Örtlichkeiten in Norddeutschland Larven des Holzbockes mittels der sogenannten "Flaggenmethode" gesammelt. Hierfür wurde eine weiße Flagge etwa 1 Meter weit über den Boden gezogen. Alle Larven, die als Ballen an der Flagge hafteten, wurden als Nest definiert, welches von einem einzelnen Weibchen stammt. Die Identifizierung der Zeckenspezies erfolgte anhand einer genomischen Sequenzierung einiger der im Nest vorhandenen Larven. Des weiteren wurden die Larven mittels molekularbiologischer Methoden auf das Vorhandensein pathogener Erreger-DNA getestet. Insgesamt wurden so 1500 Larven von Ixodes ricinus untersucht, welche aus 50 Larvennestern stammten.
Die Größe der Nester variierte hierbei zwischen 10 und 1643 Larven. Die meisten Nester wurden in Hannover (20 von 50), Hamburg (12 von 50) und Mellendorf (11 von 50) gefunden. In 39 von 50 Nestern (78%) wurden die Gattungen Borrelia und Rickettsia identifiziert, in 3 Nestern (6%) wurde der Erreger Anaplasma phagocytophilum nachgewiesen. Insgesamt wurde in 90% der Zeckennester mindestens 1 Erreger entdeckt. Von den 1500 Larven waren 137 positiv für Borrelien-DNA (9,1%) und 341 positiv für Rickettsien-DNA (22,7%), bei 3 Larven wurde DNA von Anaplasma phagocytophilum gefunden (0,2%). Co-Infektionen mit mehreren Erregern wurden in 33 von 50 Nestern (66%) bzw. 38 von 443 positiven Larven (8,6%) entdeckt. Insgesamt hatten Larven in Nestern mit mehreren Infektionen eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit mit Borrelien oder Rickettsien infiziert zu sein, als in Nestern mit einem einzigen vorhandenen Erreger.

Zusammenfassend betrachtet liefert diese Studie Hinweise darauf, dass die transovarielle Übertragung unter Feldbedingungen zumindest innerhalb der Gattungen Borrelia und Rickettsia eine Rolle spielt. Beim Erreger Anaplasma phagocytophilum scheint diese Form der Übertragung zwar möglich, jedoch ineffizient zu sein.

Quelle: Parasites Vectors. 2020 Apr 07;13:176-186

 

 

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