Hohe Dichte an Mikrofilarien bei Hunden mit Dirofilaria repens - ein Fallbericht

Beim Erreger Dirofilaria repens handelt es sich um einen Fadenwurm, der über verschiedene Mückenarten, die als Vektor fungieren, auf den Wirt übertragen wird. Die durch den Erreger verursachte kutane Dirofilariose (Hautwurmkrankheit) ist bei Hunden eine unterdiagnostizierte Erkrankung, obwohl diese für ihr zoonotisches Potential und ihre zunehmende Verbreitung auch in Deutschland bekannt ist. Die erwachsenen Würmer dieses Erregers befinden sich im Normalfall in der Haut im subkutanen Gewebe, wo sie Juckreiz, Knoten und Entzündungen verursachen können, während die Mikrofilarien im Blut zirkulieren. Beide Entwicklungsstadien können jedoch auch Organ- oder Augenschäden verursachen oder den Verlauf anderer Erkrankungen erschweren. Eine Infektion beim Menschen ist selten und der Wurm reift hier oft nicht zum adulten Stadium aus. Allerdings gibt es eine wachsende Zunahme an Fallberichten, bei denen der Parasit auch im Menschen das Stadium für die Produktion von Mikrofilarien erreicht hat. So wurde kürzlich in Polen der Fall eines menschlichen Patienten dokumentiert, bei dem 360 Mikrofilarien pro ml Blut gezählt wurden. Die rechtzeitige Diagnostik und Therapie des Hautwurmes bei Hunden wird daher immer wichtiger, da Hunde mit einer Mikrofilarämie ein bedeutendes Erregerreservoir darstellen.

In einem nun veröffentlichten Fallbericht wurde bei 62 mit Hautwürmern infizierten Hunden per Knott-Test die Dichte der Mikrofilarien bestimmt. Als Grenzwert für eine starke Mikrofilarämie wurde ein Ergebnis von 10.000 Mikrofilarien pro ml Blut festgelegt. Zu den hämatologischen und biochemischen Befunden bei den Hunden in der Studie gehörten Anämie, Thrombozytopenie, Leukozytose, Neutrophilie, Eosinophilie, Monozytose, erhöhte Leber- und Nierenwerte sowie Hypoalbuminämie. Die durchschnittliche Zahl an Mikrofilarien betrug 675 pro ml Blut. Es wurden 4 Tiere mit sehr hoher Dichte an Mikrofilarien ermittelt, von denen lediglich 1 Hund klinische Auffälligkeiten zeigte. Bei diesem Hund kam es nach der Therapie zu Komplikationen in Form einer schweren Dermatitis, welche möglicherweise mit dem Absterben einer großen Menge Wolbachien im Zusammenhang stehen könnte. Bei den anderen 3 Hunden mit starker Mikrofilarämie, die in diesem Fallbericht beschrieben sind, wurde die Erkrankung zufällig im Rahmen der Diagnostik von Begleiterkrankungen festgestellt. Der in einem Fall ermittelte Wert von 178.000 Mikrofilarien pro ml Blut entspricht dem höchsten jemals bei einer Infektion mit Dirofilaria repens ermittelten Ergebnis. Erstaunlicherweise zeigte dieser Hund klinisch nicht die für eine Infektion mit Hautwürmern zu erwartenden Symptome, sondern der Hund wurde mit Larynxlähmung, Dyspnoe und Zyanose vorgestellt. Die Autoren vermuten hier trotzdem einen kausalen Zusammenhang, da die extrem hohe Dichte an Mikrofilarien bei diesem Hund vermutlich zu einer Immunschwäche geführt hat, welche die Komorbiditäten zur Folge hatte.

Es ist bekannt, dass Helminthen, zu denen auch Dirofilaria repens gehört, die Immunantwort des Wirtes unterdrücken, um die Etablierung einer Infektion zu ermöglichen. Dies wird auch durch die nun vorgestellten Fälle bestätigt, da alle Tiere mit hoher Mikrofilarämie schwere Komorbiditäten aufwiesen, was auf eine Immunschwäche hindeutet. Die derzeitig empfohlenen Therapiestandards unterscheiden nicht zwischen Hunden mit geringer und hoher Dichte an Mikrofilarien. Dieser Fallbericht zeigt, dass es auch bei einer Infektion mit Dirofilaria repens zu einer starken Mikrofilarämie kommen kann. Bei den betroffenen Hunden ist möglicherweise eine Anpassung der Therapieprotokolle notwendig, damit die Filariendichte langsam reduziert wird und Komplikationen der Therapie vermieden werden. Dies erscheint umso wichtiger, da die Mikrofilarien von Dirofilaria repens im Gegensatz zu denen anderer Erreger eine beachtliche Größe besitzen. Regelmäßig durchgeführte Messungen im Labor von Parasitus ex e.V. zeigen, dass die Mikrofilarien von Dirofilaria repens durchaus eine Länge von etwa 370 µm und eine Breite von etwa 8 µm aufweisen.
Infektionen mit dem Hautwurm werden häufig zufällig bei der Diagnostik anderer Erkrankungen detektiert. Vermutlich existiert daher ein größeres Erregerreservoir als vermutet, was höhere Infektionsraten auch beim Menschen bedeuten könnte. Allein dies rechtfertigt eine verstärkte Testung von Hunden, zumal sich die Therapie positiv getesteter Hunde relativ einfach gestaltet. Wir bei Parasitus Ex haben dies bereits vor vielen Jahren erkannt und umgesetzt. So ist in jedem Profil (auch im Deutschlandprofil 3D) ein Knott-Test enthalten, welcher die Diagnostik und Behandlung auch symptomloser Hunde ermöglicht.

Quelle : Front. Vet. Sci. 2020 Sept 22;7:1-6.

 

 

 

Befall mit Acanthocheilonema dracunculoides: Falsch positiver Antigentest auf Dirofilaria immitis nach Wärmebehandlung der Blutprobe

Acanthocheilonema dracunculoides (syn. Dipetalonema dracunculoides) ist ein in Spanien weit verbreiteter Fadenwurm, der vermutlich keine klinische Bedeutung bei Hunden hat. Die erwachsenen Nematoden dieser Art leben in Bauch- und Brusthöhle des Wirtes und verursachen im Allgemeinen keine klinischen Symptome. Demgegenüber handelt es sich bei Dirofilaria immitis um einen klinisch relevanten Parasiten, der bei verschiedenen Haustieren auf der ganzen Welt die sogenannte Herzwurmerkrankung auslöst. Zum Nachweis adulter Herzwürmer beim Hund wird in der Regel ein Antigentest durchgeführt, der zirkulierende Antigene nachweist, die von den erwachsenen weiblichen Herzwürmern freigesetzt werden. Wenn erwachsene männliche und weibliche Herzwürmer im selben Wirt vorhanden sind, werden Mikrofilarien produziert, die durch mikroskopische Untersuchung eines nativen Blutausstrichs oder durch den sogenannten Knott-Test nachgewiesen werden können. Mikrofilarien sind nicht spezifisch für Herzwurminfektionen, da eine Infektion mit anderen Nematoden ebenfalls zur Mikrofilarämie führen kann.
Kürzlich durchgeführte Studien an Herzwurm-positiven Hunden kamen zu dem Ergebnis, dass die Wärmebehandlung von zunächst negativ getesteten Serumproben die Empfindlichkeit des Antigentests zum Nachweis adulter Herzwürmer erhöhen und die Anzahl falsch-negativer Testergebnisse verringern kann. Falsch-negative Resultate ergeben sich demnach aus dem Vorhandensein blockierender Immunkomplexe, die durch die Wärmebehandlung aufgelöst werden können. Die Empfehlungen für die Durchführung des Antigentests wurden daraufhin entsprechend überarbeitet und es wurde das Erhitzen des Serums empfohlen, um die Sensitivität des Antigentests zu erhöhen.
In einem nun vorliegenden Fallbericht aus den Niederlanden wurde ein 5 Jahre alter, asymptomatischer Mastiff, welcher 4 Wochen vorher aus Spanien importiert worden war, einer kardiologischen Einrichtung zur Herzwurmtherapie vorgestellt. Bei dem Hund waren zunächst Mikrofilarien im Blutausstrich gefunden worden. Zum Nachweis adulter Herzwürmer erfolgte der Antigentest mit Testkits von 3 verschiedenen Herstellern (FASTest® HW-Antigen-Testkit von MEGACOR, IDEXX SNAP HTWM-Testkit, WITNESS® Heartworm Antigen-Testkit von Zoetis), die alle ein negatives Resultat ergaben. Daraufhin wurden die Tests wiederholt und es wurde bei den beiden erstgenannten Testkits die empfohlene Wärmebehandlung durchgeführt, indem das Serum vor dem eigentlichen Test 10 Minuten lang in einem Wasserbad mit 100° C Wassertemperatur erwärmt wurde. Bei dem Testkit der Firma Zoetis wurde aus nicht genannten Gründen keine Wärmebehandlung durchgeführt. Bei beiden erstgenannten Testsystemen führte die Wärmebehandlung zu einem positiven Testergebnis, der dritte Test ohne Wärmebehandlung blieb negativ. Aufgrund dieser Ergebnisse wurde eine Infektion mit Herzwürmern angenommen und die Therapie nach dem Behandlungsprotokoll der American Heartworm Society gestartet. Parallel zum Therapiebeginn wurde die Untersuchung einer Blutprobe des Tieres mittels realtime-PCR initiiert, welche die Diagnose durch die Differenzierung der zirkulierenden Mikrofilarien bestätigen sollte.
Nach 7 Tagen zweimal täglicher oraler Verabreichung von Doxycyclin musste die Therapie abgebrochen werden, da diese bei dem Hund zu Anorexie, Erbrechen und Lethargie führte. Nach Absetzen der oralen Doxycyclin-Therapie verschwanden die gastrointestinalen Symptome innerhalb weniger Tage spontan. Die realtime-PCR zeigte überraschenderweise ein positives Ergebnis für einen Befall mit Acanthocheilonema dracunculoides, während die Arten Dirofilaria repens, Dirofilaria immitis und Acanthocheilonema reconditum nicht nachgewiesen wurden. Basierend auf dieser Erkenntnis wurde mit der Therapie zur Bekämpfung des Erregers Acanthocheilonema dracunculoides begonnen. Einen Monat nach der letzten therapeutischen Gabe war die Blutuntersuchung auf zirkulierende Mikrofilarien in Blutausstrich und Knott-Test negativ. Auch der Antigentest war nun trotz durchgeführter Wärmebehandlung negativ. Die Autoren schließen daraus, dass die Wärmebehandlung einer Blutprobe mit einem anfänglich negativen Antigentest auf Dirofilaria immitis zu einem falsch positiven Ergebnis führen kann, wenn der Hund mit Acanthocheilonema dracunculoides infiziert ist.

Dieser Fallbericht zeigt einmal mehr sehr deutlich, wie bedeutend die korrekte Identifizierung eines Erregers ist, da eine Infektion mit Dirofilaria immitis eine antiparasitäre Therapie erfordert, während eine Infektion mit Acanthocheilonema dracunculoides häufig als klinisch irrelevanter Zufallsbefund angesehen wird. Die Adultizidtherapie bei Hunden mit Herzwurminfektionen unter Verwendung des Protokolls der American Heartworm Society ist zudem nicht nur teuer, sondern die Verabreichung von Melarsomin bedeutet mehrere schmerzhafte intramuskuläre Injektionen gefolgt von zwei Monaten Käfigruhe, was gravierende negative Auswirkungen auf die Lebensqualität des Patienten bedeutet. Die Autoren empfehlen daher dringend, bei Hunden mit Mikrofilarämie zusätzlich eine realtime-PCR zur Nematodendifferenzierung durchzuführen. Die Wärmebehandlung sollte zudem nicht routinemäßig bei der Analyse des Blutes von Hunden angewendet werden, die aus Regionen stammen, in denen neben Dirofilaria immitis weitere Mikrofilarien-produzierende Nematoden endemisch sind.

Quelle:Parasites Vectors. 2020 Oct 01;13:501-506.

 

 

Forscher finden Zecken im subkutanen Gewebe von Rotfüchsen in Deutschland

Zecken der Gattungen Ixodes und Dermacentor sind innerhalb von Europa weit verbreitet. Füchse in Deutschland werden besonders häufig von den Arten Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock) und Ixodes hexagonus (Igelzecke) befallen. Zecken sind normalerweise auf der äußeren Oberfläche ihres Wirtes zu finden. Im Rahmen des Saugaktes dringen ihre Stech- und Saugorgane je nach Länge in die verschiedenen Hautschichten des Wirtes ein. Zecken mit kurzen Mundwerkzeugen gelangen hierbei gerade einmal bis in die Epidermis (Oberhaut), während Zecken mit langen Mundwerkzeugen, zu denen auch die Gattung Ixodes gehört, auch in tiefere Schichten der Dermis (Lederhaut) eindringen können. Bei einigen Wirten konnten in der Vergangenheit bereits Zecken in tieferen Hautschichten bis ins subkutane Gewebe nachgewiesen werden, wobei es sich hier aufgrund kleiner Stichprobengrößen eher um gelegentliche Zufallsfunde handelte. Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig hat nun systematisch die Häufigkeit des Auftretens und die Lokalisation subkutaner Zecken bei Rotfüchsen in Deutschland untersucht.
Zwischen November 2018 und Februar 2019 wurden für die Studie Rotfüchse untersucht, die im Rahmen der traditionellen Jagd in ganz Deutschland erlegt wurden. Die viszerale (Richtung Bauchorgane zeigende) Seite der Fuchsfelle wurde hierfür visuell auf subkutane Zecken inspiziert und die Lokalisation der Zecken wurde aufgezeichnet und den verschiedenen Körperteilen zugeordnet. Die morphologische Identifizierung der Zecken erfolgte zunächst gemäß standardisierter taxonomischer Protokolle. Zecken, die auf diesem Wege nicht identifiziert werden konnten, wurden mittels histopathologischer und molekulargenetischer Verfahren analysiert und eingeordnet.
Bei den 126 Rotfüchsen, die im Rahmen der Studie untersucht wurden, handelte es sich um 75 männliche und 51 weibliche Tiere. Bezüglich der Herkunft der Tiere wurden folgende Daten erhoben: Brandenburg (n=1), Hessen (n=2), Nordrhein-Westfalen (n=56), Sachsen (n=3), Thüringen (n=5), Niedersachsen (n=45) und Schleswig-Holstein (n=14). Bei 111 der 126 Tiere wurde mindestens eine Zecke im subkutanen Gewebe gefunden (88,1%). Insgesamt wurden 1203 Zecken aus dem subkutanen Gewebe entfernt, von denen sich die meisten (n=902 bzw. 75%) in einem fortgeschrittenen Zersetzungszustand befanden. Die Häufigkeit des Auftretens subkutaner Zecken unterschied sich zwischen männlichen und weiblichen Füchsen nicht signifikant. Die Anzahl subkutaner Zecken pro Fuchs variierte zwischen 1 bis 79 Zecken, der Mittelwert betrug 10,8 Zecken pro Fuchs. Aufgrund der Zersetzung konnte eine morphologische Identifizierung und Artbestimmung bei einigen Zecken nicht durchgeführt werden, auch molekulargenetische Verfahren waren hier nicht erfolgreich. Bei gut erhaltenen Zecken (n=301 bzw. 25%) gelang eine Artbestimmung anhand morphologischer Kriterien. Somit konnten folgende Arten und Entwicklungsstadien bestimmt werden: Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock; weiblich: n=289, männlich: n=8, Nymphe: n=1), Ixodes hexagonus (Igelzecke; weiblich: n=2), Ixodes canisuga (Fuchszecke; weiblich: n=1). Die Mehrzahl (97%) der gefundenen Zecken war weiblich, diese wurden am häufigsten als Ixodes ricinus identifiziert (99%). Die gefundenen männlichen Zecken gehörten ausnahmslos der Art Ixodes ricinus an, sie waren größtenteils als Paarungspaar mit einer weiblichen Zecke im subkutanen Gewebe anzutreffen. 52,5% der Zecken wurden im Leistenbereich der Füchse gefunden, gefolgt von den Bereichen um Ohren und Achselhöhle. Vermutlich begünstigen die dünne Haut, die Hautfaltung und eine geringe Felldichte einen subkutanen  Befall an diesen Stellen. Die histologische Untersuchung der Zecken in ihrem umgebenden Gewebe bestätigte die subkutane Lokalisation. Es wurde zudem gezeigt, dass die subkutanen Zecken eine zunehmende eosinophile granulomatöse Entzündung der Kategorie 1 bis 3 im Gewebe ihres Wirtes auslösen.
Nach Kenntnis der Autoren handelt es sich hier um die erste systematische Studie zu einem subkutanen Zeckenbefall bei Rotfüchsen in Deutschland. Die Lokalisation von Zecken unter der Haut scheint bei dieser Tierart sehr häufig aufzutreten und eher die Regel als die Ausnahme zu sein. Dass ein langer Saugakt das tiefe Eindringen ins Gewebe des Wirtes zu begünstigen scheint, wird bereits länger vermutet. Die aktuelle Studie bestärkt diese Vermutung, da die subkutan gefundenen Zecken zu 97% weiblich waren. Weitere Studien sind notwendig, um den Mechanismus des tiefen Eindringens ins Gewebe des Wirtes zu klären. Evolutionär scheint dieses Phänomen zumindest nicht vorteilhaft zu sein, da in den subkutanen Arealen keine lebenden Zecken gefunden wurden.
Beim Hund ist ein subkutanes Auftreten von Zecken bislang nur als Einzelfall in Schweden beschrieben. Allerdings wird nur ein äußerst geringer Teil verstorbener Haustiere obduziert, so dass die subkutane Lokalisation von Zecken möglicherweise auch beim Hund häufiger vorkommt. Ein ausreichender Zeckenschutz erscheint daher umso wichtiger, da diese im subkutanen Gewebe ausgedehnte Entzündungen hervorrufen können.

Quelle:Parasites Vectors. 2020 Apr 21;13:189-197.

 

 

Phlebotomen in Südwestdeutschland: Ein Update und neue Fundorte

Sandmücken kommen mit mehr als 1000 Arten nahezu weltweit vor. In Europa sind Sandmücken im Mittelmeerraum mit 25 bekannten Arten verbreitet. Aufgrund des Klimawandels und steigender Temperaturen ist jedoch zu erwarten, dass Arten der Gattung Phlebotomus ihr Verbreitungsgebiet erweitern und dauerhaft neue Lebensräume gewinnen. Innerhalb Deutschlands wurden bislang lediglich 2 Arten von Phlebotomus nachgewiesen: Phlebotomus perniciosus (P. perniciosus) und Phlebotomus mascittii (P. mascittii). Weibliche Sandmücken benötigen für ihre Ernährung verschiedene Wirbeltierwirte, darunter Menschen, Nutztiere, Hunde, Nagetiere, Reptilien, Amphibien und Vögel. Während die Hauptwirte von P. mascittii Hunde und Menschen darstellen, bevorzugt P. perniciosus Hunde, Menschen, Pferde und Nagetiere. Darüber hinaus ist bekannt, dass P. mascittii auch ein autogenes Ernährungsverhalten aufweist und ohne Blutmahlzeit mittels Aufnahme von Pflanzen- und Fruchtsäften zur Eireifung gelangen kann.

Die Art P. perniciosus stellt einen Vektor für Phleboviren und parasitäre Protozoen wie Leishmania infantum dar, allerdings wurde diese Art seit 2001 nicht mehr in Deutschland dokumentiert. Obwohl der Erreger Leishmania infantum bereits in P. mascittii nachgewiesen werden konnte, ist deren Vektorkompetenz bezüglich einer Übertragung auf einen Wirt bislang nicht eindeutig geklärt. Während P. mascittii seit 1999 bereits an 17 Standorten entdeckt wurde, konnte P. perniciosus im Jahr 2001 ledig einmalig mit 4 Exemplaren lokalisiert werden. Eine kürzlich erschienene Studie, an der auch unser Verein Parasitus Ex e.V. beteiligt war, zeigt nun die aktuelle Verbreitung und Häufigkeit dieser beiden Arten im südwestlichen Raum Deutschlands.

Im Zeitraum von 2015-2018 wurde hierfür eine entomologische Feldstudie durchgeführt, im Rahmen derer Sandmücken in den südwestdeutschen Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mittels Miniaturlichtfallen gefangen wurden. Im Jahr 2015 wurden für das Aufstellen der Fallen sechs Sammelstellen mit bereits bekannten und etablierten Sandmückenpopulationen ausgewählt. In den folgenden Jahren wurden zusätzlich auch neue Standorte mit potenziell günstigen Umwelt- und Klimabedingungen (mindestens drei aufeinanderfolgende Nächte mit einer Mindesttemperatur von 15° C) auf Sandmückenpopulationen untersucht. Um neue Standorte zu finden, wurden die Bürger mit einem Informationsblatt über die Studie informiert. Darüber hinaus wurden lokale Gesundheitsbehörden und Kommunen informiert und Anzeigen in lokalen Zeitungen geschaltet. Abhängig von der Größe der Sammelstelle wurden 1 bis 5 Lichtfallen in einem Abstand von etwa 5 m voneinander aufgestellt und zwischen 18:00 Uhr und 8:00 Uhr betrieben. Die Fallen wurden überwiegend in bodennahen oder wandnahen Scheunen mit oder ohne organischem Material in einer Höhe von 1,0-1,5 m aufgestellt. Gefangene Insekten wurden sofort in einer gekühlten Styroporkiste aufbewahrt und manuell auf einem weißen Blatt Papier untersucht, um Beifänge zu vermeiden. Danach wurden die Sandmücken in 100% Alkohol gelegt, um sie anschließend der molekularen Identifizierung und dem Screening auf enthaltene Pathogene zuzuführen.

In den Jahren 2015-2018 wurden insgesamt 149 (92 weibliche und 57 männliche) Sandmücken der Art P. mascittii an 37 (21%) der 176 Sammelstellen gefangen. Phlebotomen der Art P. perniciosus wurden im Rahmen dieser Studie nicht entdeckt. Der früheste Fang während des gesamten Untersuchungszeitraums erfolgte am 3. Juli 2018 und der späteste am 31. August 2017. Sandmücken wurden innerhalb der Untersuchung an allen Lokalisationen gefunden, die bereits aus früheren Studien als positiv bekannt waren. Dies beweist die Stabilität der bereits vorhandenen Sandmückenpopulationen. Phlebotomen wurden zudem an 15 neuen Stellen nachgewiesen, die bisher nicht für das Vorhandensein von Sandmücken bekannt waren. Obwohl sich die Umgebung in 30 Jahren erheblich verändert hat, wurde kein signifikanter Unterschied in der Dynamik und Verteilung der Sandmücken festgestellt. Bei der molekularen Untersuchung der gefangenen Tiere wurden keine Phleboviren oder Flaviviren nachgewiesen, zudem wurden alle Sandmücken negativ auf den Erreger Leishmania infantum getestet.

Zusammenfassend betrachtet zeigt diese Studie, dass Sandmücken in diversen Gebieten Süddeutschlands vorkommen, in denen sie bislang nicht erfasst wurden. Es ist daher davon auszugehen, dass Phlebotomen im südwestdeutschen Raum weiter verbreitet sind als bislang angenommen. Die globale Erwärmung könnte zu einer weiteren Ausbreitung von Sandmücken und den hiermit assoziierten Infektionen beitragen. Innerhalb weiterer Studien sollte daher in erster Linie die Vektorkompetenz von P. mascittii geklärt werden, um das Risisko für derartige Infektionen zukünftig realistischer einschätzen zu können. Als Parameter für eine mögliche Vektorkompetenz gelten das anthropophile (den Menschen bevorzugend aufsuchende) Verhalten der Phlebotomenart und die Nutzung eines Wirtes für die eigene Ernährung. Dagegen spricht jedoch das autogene Fütterungsverhalten von P. mascittii, welches der Mücke ermöglicht, fertile Eier ohne Blutmahlzeit ausschließlich über zuckerhaltige Pflanzensäfte zu erzeugen. Die damit einhergehende potentielle Wirtsunabhängigkeit in der Ernährung macht diese Phlebotomenart vermutlich zu einem eher unattraktiven Überträger für den Erreger der Leishmaniose.

Momentan kann sicherlich die Gefahr einer autochthonen Infektion mit Leishmania infantum innerhalb Deutschlands für Mensch und Tier als extrem niedrig eingestuft werden, auch wenn derzeit mehr als 100.000 Leishmaniose-positive Hunde in Deutschland leben.

Quelle: Parasites Vectors. 2020 Apr 21;13:173-180.

 

 

Nachweis einer transovariellen Übertragung von Borrelien, Rickettsien und Anaplasmen im Holzbock (Ixodes ricinus)

Nachweis einer transovariellen Übertragung von Borrelien, Rickettsien und Anaplasmen im Holzbock (Ixodes ricinus)

Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) stellt in Europa die am weitesten verbreitete Zeckenart dar. Der Holzbock gilt als wichtigster Vektor für eine Reihe bakterieller Krankheitserreger, die für die Gesundheit von Mensch und Tier von großer Relevanz sind. Zu diesen Erregern gehören auch die Gattungen der Borrelien und Rickettsien, deren Vertreter die gefürchtete Erkrankung Lyme-Borreliose und den Erkrankungskomplex der Rickettsiosen hervorrufen können. Ein weiterer durch den Holzbock übertragbarer Erreger ist das Bakterium Anaplasma phagocytophilum, welches bei Mensch und Tier die Granulozyten befällt und die Erkrankung Anaplasmose auslöst.
Die Übertragung dieser Krankheitserreger zwischen den Zecken kann auf verschiedene Art und Weise erfolgen. Bei einer transovariellen Übertragung erfolgt die Weitergabe von Erregern in vertikale Richtung, also über die Eizellen an die Folgegeneration. Diese Form der Übertragung erleichtert es den Krankheitserregern, dauerhaft relativ unabhängig vom Vorhandensein eines Wirtes in einem Ökosystem zu persistieren. Die transovarielle Erregerübertragung konnte für die Gattung Rickettsia unter Laborbedingungen bereits nachgewiesen werden, wobei die Effizienz bis zu 100% betragen kann. Im Gegensatz dazu wurde für Anaplasma phagocytophilum bisher eine niedrige bis ineffiziente transovarielle Übertragung angenommen. Bislang wurde in Prävalenzstudien die Häufigkeit des Vorkommens von Krankheitserregern eher bei erwachsenen Zecken und Nymphen untersucht. Im Rahmen einer kürzlich veröffentlichten Studie wurden nun auch Zeckenlarven auf das Vorhandensein solcher Erreger analysiert, um eine mögliche transovarielle Übertragung unter natürlichen Bedingungen nachzuweisen und das Infektionsrisiko für Mensch und Tier beim Befall mit Larven von Ixodes ricinus besser einschätzen zu können.
Im Zeitraum von 2010-2018 wurden demnach an verschiedenen Örtlichkeiten in Norddeutschland Larven des Holzbockes mittels der sogenannten "Flaggenmethode" gesammelt. Hierfür wurde eine weiße Flagge etwa 1 Meter weit über den Boden gezogen. Alle Larven, die als Ballen an der Flagge hafteten, wurden als Nest definiert, welches von einem einzelnen Weibchen stammt. Die Identifizierung der Zeckenspezies erfolgte anhand einer genomischen Sequenzierung einiger der im Nest vorhandenen Larven. Des weiteren wurden die Larven mittels molekularbiologischer Methoden auf das Vorhandensein pathogener Erreger-DNA getestet. Insgesamt wurden so 1500 Larven von Ixodes ricinus untersucht, welche aus 50 Larvennestern stammten.
Die Größe der Nester variierte hierbei zwischen 10 und 1643 Larven. Die meisten Nester wurden in Hannover (20 von 50), Hamburg (12 von 50) und Mellendorf (11 von 50) gefunden. In 39 von 50 Nestern (78%) wurden die Gattungen Borrelia und Rickettsia identifiziert, in 3 Nestern (6%) wurde der Erreger Anaplasma phagocytophilum nachgewiesen. Insgesamt wurde in 90% der Zeckennester mindestens 1 Erreger entdeckt. Von den 1500 Larven waren 137 positiv für Borrelien-DNA (9,1%) und 341 positiv für Rickettsien-DNA (22,7%), bei 3 Larven wurde DNA von Anaplasma phagocytophilum gefunden (0,2%). Co-Infektionen mit mehreren Erregern wurden in 33 von 50 Nestern (66%) bzw. 38 von 443 positiven Larven (8,6%) entdeckt. Insgesamt hatten Larven in Nestern mit mehreren Infektionen eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit mit Borrelien oder Rickettsien infiziert zu sein, als in Nestern mit einem einzigen vorhandenen Erreger.

Zusammenfassend betrachtet liefert diese Studie Hinweise darauf, dass die transovarielle Übertragung unter Feldbedingungen zumindest innerhalb der Gattungen Borrelia und Rickettsia eine Rolle spielt. Beim Erreger Anaplasma phagocytophilum scheint diese Form der Übertragung zwar möglich, jedoch ineffizient zu sein.

Quelle: Parasites Vectors. 2020 Apr 07;13:176-186

 

 

Tötung infizierter Hunde als Maßnahme zur Eindämmung der viszeralen Leishmaniose sinnlos

Hunde stellen das Hauptreservoir des Erregers Leishmania infantum dar, welcher beim Menschen die viszerale Leishmaniose verursacht. Als Maßnahme zur Erregerbekämpfung werden in einigen Ländern immer noch Hunde ganz offiziell im Rahmen der Regierungspolitik getötet, wenn bei ihnen eine Leishmanioseinfektion nachgewiesen wurde. Im Laufe der Jahre fielen so Millionen von Hunden solchen Maßnahmen der nationalen Gesundheitspolitik zum Opfer.
Vom 19. - 22. März 2018 fand in Windsor (Großbritannien) das 13. Symposium des Forums für canine vektorübertragene Krankheiten (CVBD) statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung trifft sich jedes Jahr eine Gruppe von international anerkannten Wissenschaftlern, die sich mit den durch Vektoren übertragenen Krankheiten bei Hunden und Katzen befassen. Auch unser Vereinsvorsitzende Dr. Torsten Naucke nimmt jedes Jahr an der Veranstaltung teil. Da die Leishmaniose und deren Verbreitung ein globales Problem darstellt, wurde auf dem Symposium 2018 auch die Rolle der positiv getesteten Trägerhunde im Rahmen des One-Health-Konzeptes diskutiert. Die Wissenschaftler waren sich darüber einig, dass die Tötung infizierter Hunde jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt und dass derartige Vorgänge ethisch inakzeptabel sind.

In einem kürzlich erschienen Artikel wurde diese Konsenserklärung nun endlich auch veröffentlicht und die Sinnlosigkeit derartiger Tötungen hervorgehoben. Gegen die Tötung infizierter Hunde sprechen demnach folgende Gründe:

  • Es existiert kein wissenschaftlicher Nachweis darüber, dass die Tötung von Hunden als Mittel zur Verringerung der Inzidenz der Leishmaniose geeignet ist. Ganz im Gegenteil, in den letzten 20 Jahren konnten weltweit weitreichende Erkenntnisse gesammelt werden, die das Scheitern dieser Methode als Kontrollstrategie nahelegen (hier werden vor allem weite Teile Asiens und Brasiliens genannt).
  • Auch alternative Erregerreservoire können eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung des Lebenszyklus´ von Leishmania infantum spielen, somit müssen diese dringend bei der Entwicklung einer vernünftigen Kontrollstrategie berücksichtigt werden.
  • Getötete Hunde werden häufig schnell durch neue jüngere Tiere ersetzt, welche in der Regel sogar anfälliger für Infektionen mit Leishmania infantum sind.
  • Die in den entsprechenden Ländern genutzten serologischen Diagnosewerkzeuge weisen häufig Einschränkungen hinsichtlich der Sensitivität und Spezifität auf. So existieren beispielsweise Kreuzreaktionen mit anderen Arten von Leishmania und mit Trypanosoma.
  • Das Töten von Hunden ist zuletzt auch aus sozioökonomischer Sicht verwerflich, da die Tötung von Hunden auch Leid und Erkrankungen beim Besitzer nach sich ziehen kann.


Eine wirksame Kontrolle der Übertragung von Leishmania infantum erfordert demnach integrierte Ansätze, die sich nicht nur auf den Hund als indirekte Quelle konzentrieren, sondern auch auf den Parasiten und vor allem den Vektor Sandmücke.
Auch alternative Lösungen wurden auf diesem Symposium diskutiert. So zeigt beispielsweise eine Vielzahl wissenschaftlicher Erkenntnisse, dass die regelmäßige Anwendung topischer Insektizide hochwirksam ist, um Phlebotomenstiche und damit die Übertragung der Leishmanien zu verhindern. Die ständige Verwendung solcher Insektizide schützt nicht nur die Hunde vor Sandmücken, sondern ermöglicht auch eine Reduktion dieser Vektoren im Umkreis der Tierhalter, was möglicherweise auch zu einer Reduktion der Inzidenz beim Menschen beiträgt. Der Einsatz chemotherapeutischer Präparate kann die Infektiösität der betroffenen Hunde vermindern, was unter experimentellen Bedingungen zu einer Abnahme der Infektion in Phlebotomenpopulationen führte. In vielen Ländern stehen zudem Impfstoffe zur Verfügung, die das Risiko für das Auftreten klinischer Zeichen verringern.

Für die Praxis werden von den Wissenschaftlern des CVBD-Forums folgende Maßnahmen als Alternative zur sinnlosen Tiertötung empfohlen:

  • Permanenter Schutz vor Sandmückenstichen bei allen Hunden in den betroffenen Gebieten durch den Einsatz von Insektiziden.
  • Verbesserung der allgemeinen Gesundheit und des Ernährungszustandes der Hunde.
  • Ständige Aktualisierung innerhalb der Fachkreise bezüglich einer sinnvollen Diagnostik einer Leishmanioseerkrankung und im Hinblick auf die aktuellen Therapieempfehlungen.
  • Verbesserung der Umwelt- und Wohnbedingungen, um den Schutz vor Sandmücken zu erhöhen und so die Exposition des Menschen gegenüber dem Vektor zu verringern.


Die gemeinsame Veröffentlichung dieser Konsensempfehlungen und die enthaltenen wissenschaftlichen Daten sollten nun endlich auch die Politiker in den entsprechenden Ländern davon überzeugen, dass das Töten infizierter Hunde völlig sinnlos ist und nicht zum Schutz der Menschen vor einer Infektion mit Leishmania infantum beiträgt. Zudem erscheint es im Sinne des Tierschutzes sinnvoll, dass die entsprechenden Argumente nun auch für jeden zugänglich sind.

Quelle: Emerg Infect Dis. 2019 Dec;25(12):1-4

 

 

 

Erste menschliche Okularinfektion mit Onchocerca jakutensis in Polen nachgewiesen

 

Filarien der Gattung Onchocerca können sowohl bei verschiedenen Wild- und Haustierarten als auch beim Menschen die vektorübertragene Erkrankung Onchozerkose auslösen. Die Krankeit, die beim Menschen durch die Art Onchocerca volvulus verursacht wird, führt zur sogenannten Flussblindheit, die vor allem in den tropischen und subtropischen Gebieten Afrikas und Südamerikas bekannt ist. Überträger dieser Erkrankung sind blutsaugende Kriebelmücken der Gattung Simulium, deren Larven vor allem in Fließgewässern vorkommen. Einige Arten der Gattung Onchocerca gelten als Zoonose und können somit auch den Menschen gefährden. Eine davon ist Onchocerca jakutensis, diese Art wurde bereits in Ländern wie der Schweiz, Polen und Deutschland bei Rothirschen nachgewiesen. In der Schweiz konnte in einer Studie von 2016 gezeigt werden, dass bereits 24% der Rothirschpopulation von adulten Würmern befallen ist.

Vor kurzem wurde nun die weltweit erstmalige okulare Infektion mit Onchocerca jakutensis beim Menschen bekannt. Bei dem von polnischen Wissenschaftlern beschriebenen Fall handelt es sich um einen ansonsten gesunden 39 Jahre alten männlichen Patienten, welchem mittels chirurgischer Maßnahme eine Filarie aus dem Glaskörper des linken Auges entfernt werden musste. Der Mann lebt in Westpolen in einem ländlichen, von Wäldern umgebenen Bereich nahe der deutsch-polnischen Grenze und hat diese Gegend nie verlassen, so dass von einer autochthonen Infektion ausgegangen werden muss. Mittels morphologischer Untersuchung, Sequenzierung und phylogenetischer Analyse konnte die Filarie eindeutig der Art Onchocerca jakutensis zugeordnet werden. Der Patient hatte durch den etwa 25 mm langen Wurm keine Schmerzen, berichtete jedoch von eingeschränkter Sicht und Fremdkörpergefühl. An einen Insektenstich in der Periokularregion oder im Gesicht konnte er sich nicht erinnern. Die chirurgische Entfernung gestaltete sich aufgrund der Beweglichkeit des Wurmes als außerordentlich kompliziert, ein Teil des Glaskörpers musste entfernt, die Sehkraft konnte jedoch erhalten werden. Die okuläre Klinik des hier beschriebenen Patienten überrascht, da der Parasit im Erregerreservoir Rothirsch eher subkutane Hautknoten (Onchozerkome) im Bereich von Hals, Gesicht und äußerem Oberschenkel verursacht, welche die Makrofilarien beherbergen.

Inwieweit solche Infektionen auch bei uns zukünftig regelmäßiger auftreten, bleibt abzuwarten. Die Behandlung dieser Erkrankung gestaltet sich jedenfalls nicht ganz einfach, da das in anderen Ländern zur Therapie genutzte Präparat bei uns nicht in dieser Indikation zugelassen ist. Zudem tötet dieses Therapeutikum lediglich die Mikrofilarien, während adulte Würmer oftmals chirurgisch entfernt werden müssen.

Quellen:

https://parasitesandvectors.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13071-020-3925-6

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5005430/

 

 

 

 

 

Update zu den immuntherapeutischen Möglichkeiten beim Leishmaniose-positiven Hund

Der Einfluss des Immunsystems bei der Manifestation einer klinischen Leishmanioseerkrankung ist unumstritten. Demnach ist richtungsweisend, welche Art der Immunreaktion der Organismus nach einer Infektion mit Leishmania infantum zeigt. Tiere mit vorwiegend TH1-vermittelter zellulärer Immunreaktion erkranken dementsprechend oft weniger schwer. Bei Tieren mit vorwiegend TH2-vermittelter humoraler Immunreaktion kommt es im Laufe der Erkrankung zu einer starken Erhöhung der Produktion von Antikörpern, welche keinerlei Schutzwirkung besitzen. Ganz im Gegenteil, ein großer Teil der Leishmaniose-assoziierten Probleme werden nicht durch den Erreger selbst, sondern durch die Aktivierung der humoralen Abwehr ausgelöst.

Ein kürzlich im Fachmagazin "Research in Veterinary Science" publizierter Review verschafft dem Praktiker einen Überblick über aktuell bereits vorhandene Möglichkeiten immunmodulatorischer Maßnahmen. Demnach konnte sich Leisguard, ein Präparat mit dem Wirkstoff Domperidon, welcher die zelluläre Immunreaktion über eine erhöhte Prolaktinausschüttung in der Hypophyse stimulieren soll, bereits im klinischen Einsatz etablieren. Vorgestellt werden weiterhin Behandlungsversuche mit therapeutischen Vakzinen, von denen 2 Präparate auch in Europa zugelassen sind. Der therapeutische Einsatz dieser Vakzine erbrachte in den diskutierten Studien vielversprechende Resultate, nämlich eine deutliche klinische Verbesserung der behandelten Hunde, welche vor allem bei leicht oder moderat erkrankten Hunden von Relevanz war. Kritisch diskutiert werden auch neuere Präparate, welche dem Segment der Nahrungsergänzungsmittel zugeordnet werden. In einer Studie von 2015 konnte gezeigt werden, dass der Einsatz diätetischer Nukleotide zu einer leichten klinischen Verbesserung bei Hunden mit Leishmaniose führen kann. Allerdings gibt es zu diesem Thema aktuell kaum brauchbare und unabhängige Studien, da das Studiendesign innerhalb der verfügbaren Publikationen nicht wissenschaftlich fundiert ist. So fehlen unter anderem Kontrollgruppen, es wurden innerhalb einer Gruppe unterschiedliche Nukleotide eingesetzt, es gibt nur einen relativ kurzen Follow-up Zeitraum oder die Studien wurden vom Hersteller der Präparate finanziert.

Es werden weiterhin unterschiedliche Strategien und Denkansätze angesprochen, die bei der Entwicklung neuer Immunmodulatoren zukünftig von Bedeutung sein werden. So könnten demnächst die Toll-like-Rezeptoren (TLR) als Zielstrukturen immunmodulierender Präparate dienen, da TLR-Agonisten die Produktion pro-inflammatorischer Zytokine stimulieren, welche eine überaus wichtige Rolle bei der Parasitenbekämpfung einnehmen. Auch die therapeutische Anwendung von Zytokinen, monoklonalen Antikörpern, antimikrobiellen Proteinen und Pflanzenextrakten zum Zweck der Immunmodulation wird vorgestellt und kritisch diskutiert. All diese Substanzen besitzen sicherlich das Potenzial eines immuntherapeutischen Einsatzes bei der Behandlung einer Leishmanioseerkrankung. Allerdings sind die meisten dieser Präparate noch in der vorklinischen Entwicklungsphase und es werden noch viele Studien nötig sein, bis diese Präparate offiziell für die Leishmaniosetherapie zugelassen und für den praktischen Einsatz verfügbar sind. Zudem bleibt abzuwarten, inwiefern zukünftig immuntherapeutische Substanzen als alleinige Therapie bei einer bereits klinisch manifesten Leishmaniose eingesetzt werden können. Bislang scheint es eher so, dass bei akut erkrankten Tieren der Einsatz leishmanistatischer oder leishmanizider Präparate trotz Einsatz immunmodulierender Wirkstoffe nicht umgangen werden kann.

Quelle : Res Vet Sci. 2019 Aug;125:218-226

 

 

 

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